Haben sie Eltern? Haben sie einen Vater und haben sie eine Mutter? Ist ihr Vater mehr Wert als ihre Mutter? Nein? Weshalb sollten Männer dann im Tennis einen größeren Wert haben als Frauen? Das ist nur ein Beispiel der überaus logischen Argumentation in Battle of the Sexes, der gleichberechtigten Kollaboration des Filmemachers Jonathan Dayton und Regisseurin Valerie Faris. Sie erzählen die Geschichte des 1973er Sportereignisses, bei dem sich Billie Jean King und Bobby Riggs im Geschlechterkampf gegenüber standen.

Dayton und Faris haben bereits für Little Miss Sunshine und Ruby Sparks ihre großartige Zusammenarbeit bewiesen und jedes Mal fantastische Frauenfiguren auf die Leinwand gebracht. Ob die kleine Abigail Breslin oder die Fantasie-Literaturfigur, die Zoe Kazan verkörpert, beide stehen als starke Frauenfiguren im Filmkosmos, dem nun Emma Stone als Billie Jean King hinzugefügt wurde.

Die Tennisspielerin konfrontiert gemeinsam mit der Gründerin des World Tennis Magazine, Gladys Heldman (Sarah Silverman) den Tennis-Veranstalter Jack Kramer (Bill Pullman), der ein Turnier auf die Beine gestellt hat, bei dem der Gewinner-Anteil der Frauen nur ein Achtel des Männer-Preisgeldes beträgt. Da Kramer aber nicht klein beigeben und die Spielerinnen gleichberechtigt behandeln will, starten King und Heldman ihr eigenes Turnier.

Battle of the Sexes
Billie Jean King (Emma Stone, rechts) mit ihrer Affäre Marilyn Barnett (Andrea Riseborough)

Billie Jean beginnt eine Affäre mit ihrer Friseurin Marilyn Barnett (Andrea Riseborough), was sie geheim halten muss um nicht die Beziehung zu ihrem Ehemann Larry King (Austin Stowell) in Gefahr zu bringen. Derweil zerbricht die Ehe von dem alternden Tennis-Star Bobby Riggs (Steve Carell) an seiner unheilbaren Wettsucht, die Ehefrau Priscilla Wheelan (Elisabeth Shue) nicht länger hinnehmen will.

In einem verzweifelten Schrei nach Aufmerksamkeit übernimmt Riggs die Rolle des Chauvinisten und wettet um eine gehörige Summe Geld, dass er jede Tennisspielerin der Welt schlagen könne. Nachdem sie zuerst ablehnt, sieht sich Billie Jean schon bald dazu gezwungen, dem Großmaul-Clown auf dem Tennisplatz gegenüber zu treten.

Battle of the Sexes gelingt es wunderbar, diese beiden Kontrahenten gleichberechtigt gegenüber zu stellen. Es geht hier nicht um Gut und Böse, sondern um zwei verzweifelte Seelen. Riggs schreit nach Aufmerksamkeit, King kämpft für Gerechtigkeit. Aber gerade in den Momenten, wo Carell und Stone gemeinsam zu sehen sind, spüren wir, dass auch Riggs nur an einer groß angelegten Selbst-Inszenierung interessiert ist, nicht wirklich daran, der Frauenwelt Schaden zuzufügen.

Dafür gibt es Bill Pullmans Arschloch-Figur Jack Kramer, der sich in seinem Männer-Salon verkriecht, in dem die Frauenwelt nur höchst widerwillig gebilligt wird. Er kann es nicht sein lassen immer wieder verbale Spitzen gegen weibliche Tennisspielerinnen abzulassen. In Bill Pullmans Darstellung bekommen wir diese altertümliche Einstellung und den Glauben an das schwache Geschlecht und der Überlegenheit des Mannes.

Dann wäre da Steve Carell, der uns nach Foxcatcher eine weitere, höchst exzentrisch-komische Darbietung in einem Drama gibt. Dieser Mann vereint großartig unterschiedlichste Facetten in einem Schauspiel, das uns binnen kürzester Zeit klarmacht, das im Inneren von Riggs andere Dinge vor sich gehen als er nach außen hin ausstrahlt.

Zugleich bekommen wir Emma Stone als King zu sehen, die ihre sexuellen Neigungen in einer noch höchst unaufgeklärten Zeit in ihrem Inneren verstecken muss, um nach außen hin die starke, sich auf ihren Ehemann stützende Feministin zu repräsentieren. So ist es ganz nebenbei auch ein Battle of the Sexes um die Liebe und Zuneigung von King – hält sie zu ihrem Ehemann oder gibt sie sich der Affäre zu einer Frau hin?

Am schönsten sind die Szenen dieser beiden Darsteller nach dem großen Tennismatch, das mit allerhand Vorlauf aufgeladen wird. Am Ende sehen wir Billie Jean King in ihrer Umkleide sitzen und sich selbst in ihren Tränen begraben, während Bobby King ein Lächeln auf dem Gesicht hat, wenn seine Ehefrau zu ihm in die Kabine kommt und er das Spiel ganz schnell vergessen hat, weil es dann doch viel wichtigere Dinge für ihn gibt.

Battle of the Sexes
Jack Kramer (Bill Pullman, links) will die Frauen scheitern sehen

In beiden Fällen spielen die Emotionen eine immens große Rolle, eine Last fällt von den Schultern beider Spieler, obwohl uns Bill Pullmanns Jack Kramer eingangs noch erklären will, dass der wahrlich großartige Tennisspieler seine Emotionen zu kontrollieren versteht, weshalb Männer schlicht besser wären, da Frauen diese Emotionalität von Natur aus mit sich bringen würden. Gut, dass er in der Fernseh-Liveübertragung vorgeführt bekommt, dass sowohl Mann als auch Frau mit ihren Emotionen zu kämpfen haben.

Das Schauspiel von Emma Stone und Steve Carell ist so überzeugend gut, dass man sich unweigerlich wünscht, die beiden würden mehr Screentime zusammen bekommen. Aber gerade hier zeigt Battle of the Sexes eine seiner wenigen Schwächen. Der Film nutzt das Talent, dass diese beiden Akteure in ihre Rollen fließen lassen, nur separat voneinander aus, während ein Zusammenspiel nur im letzten Tennismatch gegeneinander gezeigt wird.

Hier hängen wir dann aber an ihren jeweiligen Schlägern. Jonathan Dayton und Valerie Faris verstehen es durch den geschickten Einsatz von Musik, Kamera und Schnitt uns zu Zuschauern zu machen, die dem kleinen gelben Ball im rechts-links-Takt folgen und dabei auf den richtigen Ausgang des Matches hoffen, ganz gleich ob wir wissen oder nicht, wie die Realität hier ihre Geschichte geschrieben hat.