Filmkritik

“Die Stooges” von Peter & Robert Farrelly

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© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Will Sasso (unten) als Curly, Sean Hayes (rechts) als Larry und Chris Diamantopoulos (links) als Moe.

Immer wieder kehren die Stars vergangener Tage auf die Leinwände der Gegenwart zurück. Sei es die Einfallslosigkeit heutiger Tage oder die Huldigung bereits lang vergessener Größen. 1992 sahen wir Robert Downey Jr. in der Rolle des Stummfilmstars Charlie Chaplin, zwei Jahre später trieben „Die kleinen Superstrolche“ ihr Unwesen auch in Farbe. Die Farrelly Brüder, Peter und Robert, einst Komödiengaranten mit Filmen wie „Dumm & Dümmer“ und „Verrückt nach Mary“ haben sich an der Wiederbelebung der Stooges versucht. Und so dürfen Moe, Larry und Curly, vielen Kindern aus heutiger Zeit womöglich nicht einmal ansatzweise ein Begriff, ihre überzogen cartoonesken Schandtaten nun auch in der Moderne durchleben – mitsamt Augenpieksern, Backpfeifen und Herumgeschubse.

Zuerst werden sie noch als vom Himmel gesandte Engel angesehen, aber schon bald müssen die Nonnen des Waisenhauses, in dem die drei kleinen Baby-Stooges ausgesetzt wurden, erkennen, dass Moe, Larry und Curly eher aus der Hölle stammen. Noch Jahre später sind die drei Chaoten eine Last für das Waisenhaus, das aufgrund ihrer Eskapaden kurz vor der Schließung steht. Aber die Stooges wollen diese Last nicht auf sich sitzen lassen und entschließen sich, das einzige Zuhause das sie je gekannt haben zu retten. Dafür müssen sie einfach nur innerhalb von dreißig Tagen 830.000 US Dollar auftreiben. Sie verlassen das Waisenhaus und sehen zum ersten Mal die große weite Welt. Dort treffen sie auf die dubiose Lydia, die ihnen den benötigten Betrag anbietet, wenn die Stooges ihren Ehemann von seinem ach so traurigen Leben erlösen.

Die drei Stooges auf dem beschwerlichen Weg in die große, weite Welt.

Was die Farrellys, im Gegensatz zu anderen zu Film gewordenen Serien, es seien auch „Ein Duke kommt selten allein“ oder „Starsky & Hutch“ genannt, geschafft haben, ist, der Vorlage treu zu bleiben. Zwar, dass ist unumgänglich, wenn auch „The Artist“ das Gegenteil bewiesen hat, ist auch bei den Stooges die Farbe eingekehrt. Aber sowohl die serielle Erzählweise – die durch Zwischendurch-Einblendungen von Schrifttafeln suggeriert wird, die den Gesamtfilm in drei Episoden einteilt, als handele es sich um die Serials vergangener Tage – als auch die überzogene Darstellung der Figuren, die Mimik, Gestik und für die heutige Zeit gewöhnungsbedürftigen Toneffekte tragen allesamt dazu bei, dass „Die Stooges“ in ihrer Machart recht Ursprungsgetreu daherkommen.

Nun sind diese Toneffekte aber auch dringend notwendig, sind doch die Stooges für ihre Comic-Gewalt bekannt, bei der auch schon einmal ein Vorschlaghammer in die Mägen gerammt werden darf, Menschen durch die Luft katapultiert werden und, es würde kaum verwundern, ein herunter fallender Amboss, der einen fröhlich spazieren gehenden Passanten erschlägt – auch dieser fände in der Welt der Stooges durchaus seinen Platz. Es ist eine Brutalität von der Intensität alter „Tom & Jerry“, „Wily E. Coyote & Roadrunner“, „Sylvester & Tweety“ Cartoons, nur eben real geworden, nicht gezeichnet, wenn auch überzeichnet gespielt – eine Stärke der Farrellys, die schon mit festgefrorenen Zungen („Dumm & Dümmer“) oder festgefleischten Angelhaken („Verrückt nach Mary“) dem Unrealismus frönten. Macht man sich derweil um die heutige Jugend Gedanken, die den Spaß in dieser Machart nicht erkennen könnte, sollte man auf das vorzeitige Aufspringen nach Beendigung des Films verzichten, denn dann wird noch Aufklärung geboten, dass es sich hier gänzlich um filmische Brutalität gehandelt habe. Dank des medienpädagogischen Interesses der Filmemacher, werden die Gummihammer als flauschig harmloses Utensil entlarvt.

Von ganz weit oben können die Stooges noch mehr Unheil verbreiten

Bei all dem stattfindenden Köpfe zusammen schlagen, dem Finger in die Augen stechen und sonstigem Schabernack, entfaltet „Die Stooges“ seine größte Unterhaltsamkeit, solange die drei Hauptprotagonisten in ihrem heimischen Waisenhaus verweilen, wo ihnen das Unwohl Schwester Mary-Mengeles sicher ist – gespielt von dem doch sehr männlichen Larry David, der sich schon während seine Serie „Curb Your Enthusiasm“ oder zu Deutsch „Lass es, Larry!“ mit Woody Allens „Whatever Works“ dem Langspielfilm widmete und hier eine herrlich skurrile Verkleidungsorgie darbietet. Da gefallen die Stooges dann besonders, wenn sie sich mit Frau Larry David zoffen, diese(r) dem Schabernack der drei Jungs erlegen ist. Dieses komödiantische, zwar als „Total Banane“ anzusehende, dennoch aber überraschend harmlos-wiederentdeckte Komödienspiel, welches fernab von allen „Hangovers“ und „American Pies“ inszeniert wurde, ist in diesen Momenten als eindeutige Verbeugung vor Moe Howard, Larry Fine und Curly Howard, den Stooges der Columbia-Jahre ab 1934 anzusehen. Nur leider wird aus dieser Verbeugung recht schnell ein kerzengerader Stand mit Stock im Hinterteil, sobald die Stooges der Handlung folgend ihr Waisenhaus verlassen um in die große Welt hinaus zu ziehen. Wie oft hat man schon diesen Culture Clash erlebt? „Aus dem Dschungel in den Dschungel“, aus der bekannt gewohnten Welt, in der man isoliert zufrieden lebte, hinein ins Unbekannte – hieraus soll der Witz entstehen, bleibt dabei aber irgendwo weit hinter den Protagonisten zurück, die in der Moderne, in der Großstadt der heutigen Zeit dann nicht mehr so funktionieren wollen, wie zuvor. Da hilft es auch nicht weiter, wenn Moe, der Grobian der Stooges, der am besten Schläge austeilen kann, in ein Fernseh-Reality-Format gesteckt wird um dort seine Späße weiterzutreiben. Nicht nur wirkt dies unansehnlich einfallslos, es ruft auch die Entfremdung zu den zwei übrigen Stooges hervor, womit die bekannte Struktur wieder zu erkennen ist: Anfänglicher Spaß, der kulturelle Schock, die Entfremdung untereinander und die darauf folgende Versöhnung und das erfolgreiche Finale. Vorhersehbar und auf einmal ganz und gar unwitzig.

Die Szenen der Hommage mögen den einfallslosen und leider größeren Teil des Filmes nicht überschatten, womit – auf das Gesamtbild bezogen – „Die Stooges“ nur oberflächlich an der langen Historie dieses Komödianten-Trios zu kratzen vermag. Unverständlich, bemerkt man doch, dass die Farrellys, zumindest im ersten Teil ihres Versuchs, zeigen, dass sie dem Humor gewachsen wären, dann aber vorschnell in Konventionen des US-Kinos zurückverfallen. Dafür eine deftige Ohrfeige Moes, das haben die Brüder-Regisseure mehr als verdient.

Denis Sasse

“Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab“

Originaltitel: The Three Stooges
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 93 Minuten
Regie: Peter & Robert Farrelly
Darsteller: Sean Hayes, Will Sasso, Chris Diamantopoulos, Jane Lynch, Sofia Vergara, Jennifer Hudson, Craig Bierko, Stephen Collins, Larry David

Deutschlandstart: 11. Oktober 2012
Offizielle Homepage: fox.de/the_three_stooges

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