Filmkritik

“Red Dawn” von Dan Bradley

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© Concorde Filmverleih GmbH / Die Wolverines bilden den Widerstand gegen die Nordkoreaner im "Red Dawn" des Jahres 2012.

© Concorde Filmverleih GmbH / Die Wolverines bilden den Widerstand gegen die Nordkoreaner in “Red Dawn”.

Als Filmemacher John Milius 1984 seinen Film „Die rote Flut“ („Red Dawn“) veröffentlichte, landete dieser auch sogleich im Guinness Buch der Rekorde: Es war der bis zu diesem Zeitpunkt brutalste Film der je auf den Leinwänden erschienen ist. 134 Gewalttaten pro Stunde, eine Rate von 2,23 Brutalitäten pro Minute. Es mag kaum verwundern, ist Milius doch als Regisseur auch für Arnold Schwarzeneggers Auftritt in „Conan, der Barbar“ verantwortlich, schrieb außerdem die Drehbücher zu Filmen wie „Dirty Harry“ und „Apocalypse Now“. Ein gewisses Gewaltverständnis ist also gegeben. Mit Gewalt – oder nennen wir es jetzt lieber Action – sollte sich Dan Bradley ebenfalls auskennen, war er bisher doch als Stunt-Koordinator für Produktionen wie die Bourne-Reihe, „Spider-Man 2“ und dessen Nachfolger sowie „Password: Swordfish“ oder „Crank“ zuständig. Eben ein Mann vom Fach. Wenn dieser allerdings auf dem Regiestuhl das Erbe von John Milius antreten möchte, entsteht dabei ein eher mageres Remake zu „Red Dawn“.

Die Wolverines sind stets auf der Flucht, sie agieren aus dem Hinterhalt.

Die Wolverines sind stets auf der Flucht, sie agieren aus dem Hinterhalt um an Waffen zu gelangen.

Es beginnt schon bei der Prämisse. Als John Milius Mitte der 80er Jahre die Vereinigten Staaten von einem Bündnis zwischen der Sowjetunion, Kuba und Nicaragua besetzen lies, da war der durchaus reale Kalte Krieg noch in den Köpfen der Menschen verankert. Diese erbitterte Auseinandersetzung zwischen den Westmächten und dem Ostblock, die bereits mit dem Ende des zweiten Weltkriegs begann. Für die Neuauflage sollte ursprünglich China herhalten. Es bedurfte einen Staat, der zumindest in der Fantasie dazu im Stande wäre, die USA zu überrennen, eine Invasion zu starten. Nun ist China allerdings ein kaufstarkes Land, in dem man „Red Dawn“ ebenfalls gerne zeigen wollte. Hätte man jedoch die dort ansässige Bevölkerung als böses, invadierendes Volk gezeigt, wäre dieses Unterfangen vermutlich gescheitert und hätte böses Blut erzeugt. So wurde in der Postproduktion jedes Anzeichen für die chinesische Beteiligung getilgt und Nordkorea zum bösen Bub ernannt – die Darsteller blieben bestehen, für die Amerikaner bleibt Schlitzauge eben Schlitzauge.

Über die Realitätsnähe eines Nordkoreas, welches in die USA einfällt, möchte man dann gar nicht weiter nachdenken. Immerhin bleibt der Zuschauer in der kleinen Stadt Spokane im US-Bundesstaat Washington. Dieses ruhige Dörflein wird eines Morgens von Kampfflugzeugen überflogen, die massenweise Fallschirmjäger abwerfen. Nordkoreanische Soldaten besetzen die Vereinigten Staaten, wie man später erfahren wird, ist nicht nur Spokane hiervon betroffen. Aber während die Einwohner in Gefangenschaft geraten, schart sich eine Gruppe von Jugendlichen zum Widerstand zusammen: Darunter der US-Marine Jed Eckert (Chris Hemsworth) und sein kleiner Bruder Matt (Josh Peck). Sie übernehmen die Führung der Wolverines, die den Nordkoreanern ein Floh im Hundefell sein wollen.

Hier wird Zucht und Ordnung propagiert. Es heißt einfach nur „Ja“, dann wird der Befehl befolgt den Chris Hemsworth mit gewohnt dumpfer Stimme äußert. Er spielt den US-Marine, der im Irak schon seinen Vaterlandsdienst verrichtet hat. Bei ihm wird nicht diskutiert, er ist der Soldat der seinen Trost bei der Armee gefunden hat, nachdem seine Mutter verstarb. Er kennt sich mit jeder Waffe aus, weiß wie er ein Team zur Zusammenarbeit bringt. Alleine kommt man in der Welt nicht voran, es geht um den Zusammenhalt – am besten als Soldat. Er benötigt dann auch nur eine kurze, etwa zwei bis drei Minuten andauernde Filmmontage um aus den übrigen Kids echte Haudraufs zu machen – allesamt bis hierher unbeschwerte High School Schüler, vom Computernerd bis zum alternativen Vamp-Girl. Aber das ist alles kein Problem. Mit Waffen umzugehen ist eigentlich gar nicht so schwer, wenn man sie erst einmal verstanden hat. Kinder die wie in „Call of Duty“ durch ihr Dorf ziehen und Nordkoreaner abballern – nur eben in echt – zaubert der US-Waffenlobby vermutlich wieder ein Lächeln ins Gesicht.

Auch noch Zeit für eine kleine Romanze: Adrianne Palicki mit Chris Hemsworth.

Auch noch Zeit für eine kleine Romanze: Toni Walsh (Adrianne Palicki) mit Jed Eckert (Chris Hemsworth).

Da darf auch einfach mal aus Spaß der arme unterforderte Josh Hutcherson, der mit Filmen wie „Die Tribute von Panem“ oder „The Kids Are Alright“ sicherlich besser bedient war, einen Hirsch erlegen um hinterher dessen Blut zu trinken. Nur ein Scherz zu dem die Eckert Brüder ihn ermutigen. Sie haben das natürlich nie gemacht, auch wenn sie es als Initiationsritus verkaufen. Allein dafür möchte man ihnen vermutlich kräftig auf die Fresse schlagen, dann aber auch den Drehbuchautoren, die hier eine von vielen Szenen einbringen, die für den Film gänzlich ohne irgendeine Relevanz daherkommen. Kreischende Mädchen, die in der nächsten Minute eine Panzerfaust abfeuern, Unterhaltungen über die Härte des Krieges, über Dinge die die Jugendlichen vermissen, obwohl man sich als Zuschauer so fühlt, als würde die Belagerung gerade einmal ein paar Stunden andauern. Es sind schon harte Tage. Man versteht das. Und neben echten Mädchen – die Bazooka-schwingenden Begleitungen der Wolverines werden nicht als solche angesehen – fehlt dann dem einen tatsächlich auch sein „Call of Duty“.

Eigentlich möchte „Red Dawn“ wohl nur erzählen, wie schnell und einfach es ist, zum Soldat gemacht zu werden, um dann explosionsreich und mit viel Raffinesse zum Kämpfer für Recht und Freiheit für sein Land einzutreten. Das Ganze sieht dann auch recht cool aus, der Widerstand lässt Häuser und Fahrzeuge in die Luft fliegen, es macht Krachbumm. Fehlt nur noch die „Join the Army“-Nachricht am Ende des Films. Der nachdenkende Mensch wird das natürlich alles erkennen, müde gähnen und durch anhaltenden Kopfschmerz wohl auch keinen Spaß an den Actionsequenzen empfinden. So wurde aus „Red Dawn“, dem 80er Jahre Actionfilm, ein massentaugliches Rekrutierungsvideo gemacht.

Denis Sasse

Red Dawn_Hauptplakat

“Red Dawn“

Originaltitel: Red Dawn
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 94 Minuten
Regie: Dan Bradley
Darsteller: Chris Hemsworth, Josh Peck, Josh Hutcherson, Adrianne Palicki, Isabel Lucas, Connor Cruise, Edwin Hodge, Brett Cullen, Will Yun Lee, Jeffrey Dean Morgan, Matt Gerald

Deutschlandstart: 27. Dezember 2012
Offizielle Homepage: reddawnfilm.com

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