Christian Bale ist Russell Base in Scott Coopers "Auge um Auge"
Christian Bale ist Russell Base in Scott Coopers „Auge um Auge“

Regisseur Scott Cooper konnte bereits mit Crazy Heart sein Faible für ein schwindendes Lebensgefühl artikulieren. Jeff Bridges gab dort den alkoholabhängigen Singer-Songwriter, der einst ein großer Country-Star war, dann aber sein Leben entgleiten lies. In Auge um Auge entgleitet so einiges. In aller erster Linie wirft Cooper aber einen Blick auf einen kleinen Ort in Pennsylvania, auf den er durch das Lesen eines Artikels Aufmerksam geworden ist. Beeinflusst durch Peter Bogdanovics 1971er Film Die letzte Vorstellung, in dem vom Zerfall eines kleinen, örtlichen Kinos erzählt wurde, beginnt auch Auge um Auge mit einem Kino. In diesem Fall ein Autokino in Braddock.

In der realen Welt – und von dieser Geschichte zeigte sich Cooper eben so beeindruckt – wird Braddock zwar von einer rückläufigen Stahlindustrie geplagt, aber Bürgermeister John Fetterman legte all seine politische Kraft in die Neubelebung der Stadt. Nach einem Besuch des Regisseurs vor Ort sollte die Handlung eines Films vor der Kulisse dieser Stadt spielen – gänzlich unabhängig und zusammenhangslos zu dem 1941 veröffentlichten Roman Out of the Furnace (der Originaltitel des Films) von Thomas Bell, der ebenfalls Braddock in den Mittelpunkt stellte.

Woody Harrelson mit Willem Dafoe
Woody Harrelson mit Willem Dafoe
p style=“text-align: justify;“>Bei Scott Cooper dreht sich derweil wieder alles um melodramatische Männerschicksale, leidend wie brutal verkörpert von Christian Bale, Casey Affleck und Woody Harrelson. Alle drei bieten ein erschreckendes Bild auf die Menschlichkeit, schlagen sich aber lediglich in dieser harten Stadt durch. Bale tut es seinem Regisseur gleich, beweist seine Bewunderung zu Bürgermeister Fetterman und dessen Vorhaben der Rehabilitierung einer Stadt am Boden durch ein Nackentattoo der Postleitzahl Braddocks (15104), wie es auch der Bürgermeister selbst auf dem Arm trägt.

Die Handlung bewegt sich aber aus dem städtischen Bild in den Mikrokosmos einer gebrochenen Arbeiterfamilie, dessen Schicksal streng mit der Entwicklung der Stadt verbunden ist. Im Fernsehen läuft die 2008er National Convention der Demokraten, auf der Edward M. Kennedy nur Worte des Lobes für einen gewissen Barack Obama übrig hat. „Ich bin heute hierher zu euch gekommen, um mit euch Amerika zu verändern, um die Zukunft zu sichern, um zu unseren Idealen aufzusteigen und um Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten zu wählen.“ Dann schwenkt die Kamera wieder auf diese herunter gekommene Stadt mit ihren am Leben zerbrochenen Menschen. Ein Bild das kommentarlos seine Wirkung entfaltet.

Auge um Auge
Regie: Scott Cooper, Drehbuch: Scott Cooper, Brad Ingelsby
116 Minuten, freigegeben ab 16 Jahren, Kinostart: 3. April 2014
im Netz: Offizielle Homepage zu Auge um Auge
alle Bilder © Tobis Film GmbH & Co. KG