Filmkritik

“Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät” von Laurent Tirard

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© Concorde Filmverleih GmbH / Grautvornix, Obelix, Asterix und Teefix (v.l.n.r.) kommen in Londinium an.

Ein kleines gallisches Dorf setzt sich bereits seit 32 Bänden (der erste Band „Asterix der Gallier“ erschien 1968, das aktuellste Abenteuer „Gallien in Gefahr“ wurde 2005 veröffentlicht) gegen die römischen Belagerer zur Wehr. Ganz gleich ob der Lorbeeren tragende Julius Cäsar oder einer seiner Untergebenen, ganz gleich ob Normannen, Goten, die ägyptische Königin Cleopatra oder Auslandsaufenthalte in Spanien, der Schweiz und Amerika – Asterix und Obelix, erschaffen von Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo, haben bis zum heutigen Tage nicht ihr namenloses Zuhause aufgegeben. Ein großer Dank hieran geht an einen mysteriösen Zaubertrank, gebraut von dem Druiden Miraculix, an dem in der neuesten Realverfilmung „Asterix & Obelix im Auftrag ihrer Majestät“ nun auch die stocksteifen Briten Interesse zeigen, die nun ebenfalls von den Römern unterjocht werden sollen.

Dabei orientiert sich der französische Regisseur Laurent Tirard, der auch schon Goscinnys „Der kleine Nick“ in die Kinos brachte, an dem Comicband „Asterix bei den Briten“, mischt zudem noch ein wenig aus „Asterix und die Normannen“ hinzu, beide Bände sind 1971 dicht aufeinanderfolgend erschienen. Im Film sieht man nun, wie die ruhmreichen Legionen Roms unter dem Kommando von Julius Cäsar (Fabrice Luchini) auch Britannien erobert haben. Nur ein Dorf leistet dort noch Widerstand, kann aber auch nicht mehr sehr lange dem kriegerischen Akt der Römer entgegen halten. Die Königin (Catherine Deneuve) schickt ihren Berater Teefax (Guillaume Gallienne) nach Gallien, um dort in einem kleinen Dorf Hilfe zu suchen – denn dieses Dorf hat sich einen Ruf als mutiger und erfolgreicher Widerstand gegen die Römer gemacht. Die beiden Gallier Asterix (Edouard Baer) und Obelix (Gérard Depardieu) begleiten Teefax ohne zu zögern in seine Heimat, im Gepäck ein Fass des geheimnisvollen Zaubertranks, der übermenschliche Kräfte verleiht, sowie dem eingebildeten Grautvornix (Vincent Lacoste), Neffe des gallischen Häuptlings, aus dem ein richtiger Mann werden soll. Die Römer bleiben allerdings nicht untätig und engagieren die finsteren Normannen als Haudegen, um sich vor den nahenden Galliern und deren Zaubertrank zu schützen.

Asterix (Edouard Baer) und Obelix (Gérard Depardieu)

Was bei „Harry Potter“ oder „Twilight“ undenkbar wäre, hat sich inzwischen schon fast zu einem Markenzeichen der französischen Comicverfilmungen rund um das gallische Dorf und seinen Bewohnern etabliert: Nur Obelix-Darsteller Gérard Depardieu kehrt stets für seine Rolle zurück, mimt das in seiner Jugend in einen Kessel voller Zaubertrank gefallene Übergewicht, sichtlich mit Spaß an der Sache, in unvorteilhafter Montur, dieses Mal sogar mit der Gelegenheit, dem persönlichen Hobby des Weinkonsums zu frönen. Nach Christian Clavier, zweimal in der Rolle des Asterix zu sehen („Asterix & Obelix gegen Cäsar“, „Asterix & Obelix – Mission Kleopatra“) und Clovis Cornillac („Asterix & Obelix bei den Olympischen Spielen“) nimmt nun Edouard Baer – zuvor in einer Nebenrolle in der zweiten Asterix-Verfilmung zu sehen – diese Rolle an, macht den kleinen Titelhelden zu einem sarkastischen Junggesellen, neidisch auf die Liebesgeschichte um Obelix, verzweifelt verärgert um dessen Stupidität, bringt seinen Unmut deutlich hervor, sorgt für Zwist in dem freundschaftlichen Miteinander, welches von der Nebenfigur des Grautvornix (Vincent Lacoste aus Julie Delpys „Familientreffen mit Hindernissen“) als homoerotische Wohngemeinschaft gedeutet wird. Gerade um auf diesen Vorwurf einzugehen, wird wohl dann auch Obelix in diverse Turteleien verstrickt, dass wollen weder Filmfiguren noch Filmemacher auf sich sitzen lassen, dieses Vorurteil der Sexualität mit dem sich auch Batman und Robin, Ernie und Bert, sicherlich auch noch ganz andere Gestalten der Medienwelt herumplagen müssen.

Da ruft auch Cäsar in einer Szene zum Gelage aus, Sex und Speisen, so definieren sich nicht länger nur die Römer, etwas harmloser ausgedrückt heißt es dann Liebe und Wildschweine, so ist es den Galliern angenehm. Apropos Cäsar, auch hier ist der Figur erneut ein Wandel wiederfahren: Nach dem in Berlin geborenen Gottfried John, den Franzosen Alain Chabat, Schauspiel-Urgestein Alain Delon, nun also Fabrice Luchini, seit 1969 im Geschäft, mit Rollen in allerlei guten Filmen, darunter zuletzt „Das Schmuckstück“ und „Nur für Personal!“. Er wirkt in der Rolle des Cäsaren weniger imposant, mehr wie eine römische Version des Napoleons, klein und witzig, den Galliern militärisch wie auch verbal unterlegen. Aber Luchini traut sich diese Charakterisierung durchzuziehen, tritt den Galliern als Witzfigur entgegen, verzweifelt an deren Einmischung in Britannien, wieselt sich umher, gewinnt die Stärke der Normannen für sich und lässt die Geschichte am Ende so schreiben, als hätte er ruhmreich seinen Feldzug beendet.

Catherine Deneuve als britische Königin.

Die Normannen, das ist eine andere Geschichte, wie auch ein andere Comicband. Im Film jagen Asterix und Obelix dem verschollen gegangenen Fass mit Zaubertrank hinterher, so manches Bild aus der Comicvorlage wird eins zu eins übertragen, amüsant die Weinverkostung der Römer in einem Kellergewölbe, daran erinnert sich das Comic-Herz. Dann ist da aber auch noch Grautvornix, ideal besetzt mit Vincent Lacoste, der ähnlich hochnäsig umhergeht wie in seiner Teenagerrolle in „Familientreffen mit Hindernissen“, nun nur eben in Londinium, verfolgt von einer Horde Normannen, die in ihm den Meister der Angst sehen, dieses unergründbare Geheimnis, welches die starken Männern aus dem Norden – darunter auch der deutsche Götz Otto – unbedingt ergründen wollen, denn Angst verleiht Flügel und fliegend könnten die Normannen noch viel mehr Schaden anrichten als ohnehin schon. So viele Geschichten und Bilder die erzählt und gezeigt werden wollen, das bedeutet offenbar auch Opfer bringen: Weniger stark besetzt wurden Stammeshäuptling Majestix (Michel Duchaussoy) und der Kapitän der Piratenbande (Gérard Jugnot), der dieses Mal gleich zweimal baden gehen darf. Die Fehlbesetzung hat rein gar nichts mit schauspielerischen Qualitäten zu tun, vielmehr mit Aussehen, weniger rundlich als die Comic-Äquivalente, erkennt man sie in ihren Rollen nur durch die bunten Kostüme, die trotz Wiedererkennungswert in den Asterix-Verfilmungen immer noch ein wenig nach Flohmarkt aussehen.

Der Vergleich mag näher liegen als man denkt: In Deutschland haben wir Michael Herbig den Start der „Wickie und die starken Männer“-Filme zu verdanken, hinter denen ein ähnliches Konzept steckt. Nun gibt es also bereits die vierte Realverfilmung eines Asterix & Obelix Comics, während die Animationsweiterführung auf sich warten lässt. Das ist nicht weiter schlimm, denn wenn „Asterix & Obelix – Im Auftrag ihrer Majestät“ etwas zeigt, dann ist es, wie auch diese Realverfilmungen den Ideen von Albert Uderzo und René Goscinny Tribut zollen, mit mancherlei neuem Witz, der den Humor der Comics vertreibt, aber dennoch zündet.

Denis Sasse

“Asterix & Obelix – Im Auftrag Ihrer Majestät“

Originaltitel: Astérix Et Obélix: Au Service De Sa Majesté
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: F, 2012
Länge: ca. 111 Minuten
Regie: Laurent Tirard
Darsteller: Gérard Depardieu, Edouard Baer, Guilaume Gallienne, Vincent Lacoste, Valérie Lemercier, Fabrice Luchini, Catherine Deneuve, Charlotte Lebon, Jean Rochefort

Deutschlandstart: 18. Oktober 2012
Offizielle Homepage: asterix-obelix-derfilm.com

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