In der französischen 1991er Komödie La Totale! von Regisseur Claude Zidi spielt Thierry Lhermitte einen Ehemann, der seine Tätigkeit als Geheimagent vor seiner Ehefrau verborgen hält. Die Dame des Hauses wird von Miou-Miou gespielt, deren unwissende Hélène Voisin als einziges Geheimnis eine Überraschungsparty zum 40. Geburtstag ihres Mannes vorzuweisen hat. Zumindest bis sie Simon trifft, der vorgibt ein Geheimagent zu sein und sich so an die Frau heranmachen will. Klingt bekannt? Vielleicht kommen Erinnerungen an James Camerons 1994er Remake True Lies auf, weitaus bekannter mit Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis als Alter Egos dieses französischen Ehepaars besetzt.

In Camerons True Lies – Wahre Lügen merkt man, wie sehr Arnold Schwarzenegger in diese Genre passt. Er hat spätestens hier den idealen Platz für sich gefunden. Er mag in puren Actionfilmen cool wirken und verleiht Komödien mit seinem harmlosen Charme einen besonderen Touch, aber es ist doch die Kombination aus beiden, die Arnie in Actionkomödien immer wieder so gut dastehen lässt.

Hier wirkt zuerst alles wie eine James Bond-Kopie. Omega Sector-Agent Harry Tasker (Schwarzenegger) hackt sich im schnieken Smoking auf einer luxuriösen Feierlichkeit irgendwo in der Schweiz in ein Computersystem ein. Zwischendurch legt er einen heißen Tango mit der Antiquitätenhändlerin Juno Skinner (Tia Carrere, später der Fernseh-Relic Hunter) hin. Dann aber muss er die Flucht ergreifen. Schnell springt er in den Van von Kollege Gib (Tom Arnold) um zurück in seine sichere Vorstadt-Idylle nach Washington D.C. gebracht zu werden.

Hier warten seine unwissende Frau Helen (Jamie Lee Curtis) und seine Tochter Dana (Eliza Dushku) auf ihn. Beide glauben er sei ein harmloser Computer-Verkäufer. Aber als Helen von dem schmierigen Gebrauchtwagenhändler Simon (Bill Paxton) angebaggert wird, der vorgibt ein waschechter Geheimagent zu sein, entschließt Harry sich dazu, seine Frau einem Treuetest zu unterziehen. Dabei findet er heraus, dass diese lediglich Lust nach einem Abenteuer in ihrem langweiligen Alltagsleben verspürt. Nach einigem hin- und her arbeiten Harry und Helen auf einmal zusammen, um den Terroristen Aziz (Art Malik) aufzuhalten.

Und so wandelt sich True Lies von James Bond zu Mr. & Mrs. Smith. Wir müssen Regisseur Cameron neidlos anerkennen, dass er hier mit Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis das bessere Agenten-Ehepaar gefunden hat, als es später Brad Pitt und Angelina Jolie gewesen sind – wir wollen mal nicht Robert Montgomery und Carole Lombard im 1941er Hitchcock-Film hinzuziehen.

Während Lee Curtis einige amüsante Szenen abliefern darf, darunter ein Striptease vor ihrem Ehemann, bekommt Arnold Schwarzenegger in True Lies die Actionszenen zugespielt über die er sich zuvor in Last Action Hero noch lustig gemacht hat. Bei James Cameron ist alles mehr als over-the-top, es ist haarsträubend, außerordentlich lächerlich und abwegig – und macht dabei eine ganze Menge Spaß.

Wenn Harry einen wild gewordenen Motorradfahrer verfolgt, steigt er auf ein Polizeipferd und reitet direkt in die Lobby des Marriott Hotels. Dort fährt er in einem gläsernen Fahrstuhl bis aufs Dach, um mit dem Pferd einen waghalsigen Sprung in einen Swimmingpool zu machen.

Oder aber Arnie sitzt am Steuer eines senkrecht startenden Harrier-Kampfflugzeugs, steht vor einem Hochhaus in Miami still in der Luft, während seine Tochter sich verzweifelt an der Cockpitscheibe festkrallt und ein Schurke an seinem Gürtel an einer der Raketen baumelt, die an den Tragflächen befestigt sind. Schwarzenegger feuert kurzerhand die Rakete ab und befördert den Bösewicht durch das Hochhaus hindurch, um einen Helikopter abzuschießen, der noch mehr übles Gesocks in sich trägt. Das ist die Rache dafür, das kurz zuvor eine Nuklearrakete eine der Koralleninseln der Florida Keys zerstört hat.

True LiesDas alles geschieht mit einem unfassbar guten Drehbuch, das basierend auf dem französischen Originalfilm von James Cameron in Gemeinschaftsarbeit mit Randall Frakes für die amerikanische Version geschrieben wurde. Allzu leicht hätte sich True Lies in einem seiner vielzähligen Subplots verlieren können, verknüpft diese aber wunderbar miteinander, so dass auch Nebenfiguren wie Bill Paxtons überaus unterhaltsames Flirt-Ekel und Tom Arnolds Agenten-Sidekick zum Zuge kommen.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass Arnie ein Teamplayer ist, der es versteht seine eigenen Stärken mit denen anderer Darsteller zu kombinieren, wie er eben auch das Action- mit dem Komödien-Genre zusammenbringt. Ob nun also Arnie und Danny DeVito in Twins, mit Jungdarstellern wie Edward Furlong (in Terminator 2) oder Austin O’Brien (in Last Action Hero) oder eben mit Bill Paxton und Tom Arnold n True Lies, es ist immer das Umfeld, in dem Arnie sich bewegt und das auf ihn reagiert, dass seinen Filmen den letzten Schliff und ihren Humor verpasst.