Irgendwo auf der Welt werden alljährlich die Hungerspiele ausgetragen (nach Katniss Everdeens Rebellion hat das natürlich ein Ende), es gibt ein dystopisch-mörderisches Turnier namens Rollerball (in 1975 äußerst gut verfilmt, in 2002 äußerst schlecht) und Arnold Schwarzenegger wird in Regisseur Paul Michael Glasers Running Man zum Verbrecher ernannt, der in einer extremen Variante der American Gladiators zur Unterhaltung um sein Leben kämpfen muss. Die menschliche Bevölkerung hatte schon immer etwas für abstruse und menschenverachtende Spielshows übrig.

Das wird für uns als seichte Filmunterhaltung aufbereitet, was wiederum ein großer Kritikpunkt Schwarzeneggers war, der seinerzeit bedauerte, dass Original-Regisseur Andrew Davis (Auf der Flucht und später Collateral Damage mit Schwarzenegger) eine Woche vor Beginn der Dreharbeiten gefeuert wurde um ihn mit Paul Michael Glaser – Starksy aus Starksy und Hutch – zu ersetzen. Eigentlich, so Schwarzenegger, hätte Running Man weitaus mehr dystopisch-gesellschaftskritische Kommentare enthalten, die unter dem Neu-Regisseur gestrichen wurden.

Der Film erklärt uns kurz, dass es im Jahr 2017 zu einem weltweiten Wirtschaftskollaps kam und die USA zu einem totalitären Polizeistaat wurde, wo sämtliche kulturellen Aktivitäten unterbunden wurden. Um die Bevölkerung ruhig zu halten, wird hier nun die Spielshow The Running Man ausgestrahlt, in dem verurteilte Verbrecher wie Gladiatoren gegen trainierte Kämpfer, sogenannte “Stalker” antreten müssen.

Running Man
Ben Richards (Arnold Schwarzenegger) muss sich von Showmaster Damon Killian (Richard Dawson) zum RUNNING MAN machen lassen.

Zwei Jahre später wird der Helikopterpilot Ben Richards (Schwarzenegger) für ein Menschen-Massaker beschuldigt, das er nicht begangen hat. Die Medien manipulieren Videoaufnahmen, um Richards so zu einem Runner machen zu können. Nach einer ersten Flucht sucht er Unterschlupf im Appartement seines Bruders, in dem inzwischen Amber Mendez (María Conchita Alonso) lebt, die für den Fernsehsender arbeitet, der die Spielshow ausstrahlt. Sie liefert Richards aus, der daraufhin mit seinen beiden Freunden Laughlin (Yaphet Kotto) und Weiss (Marvin J. McIntyre) bei dem sadistischen Showmaster Killian (Richard Dawson) landet.  

Es war natürlich ein genialer Schachzug, Richard Dawson für die Rolle des Running Man-Maestros zu gewinnen. Der amerikanische Showmaster war der Original-Host der US-Spielshow Family Feud (von 1976-85 und erneut von 1994-95), die den deutschen Ableger Familienduell erhalten hat und in mehr als 50 weitere Länder adaptiert wurde.

Dawson spielt Killian bösartig das Publikum aufmunternd und aufstachelnd. Er betreibt Hetze gegen die zu Unrecht Verurteilten als Unterhaltungsmaßnahme. Er ist ein widerlicher Oldie, der mit Augenzwinkern und Küsschen die Herzen der alten Damen erobert, die er so zum Anfeuern der Gladiatoren treibt, die für das Morden im Running Man-Szenario verantwortlich sind und nur dank Killian eine Legitimation hierfür erhalten, es gar der umjubelte Höhepunkt einer Episode der brutalen Spielshow ist.

Diese Gladiatoren haben illustre Namen und Markenzeichen. Prof. Subzero ist äußerst geschickt im Umgang mit seinem todbringenden Eishockey-Schläger, Buzzsaw setzt eine Kettensäge ein, Dynamo lässt elektrisierende Funken sprühen, während Fireball einen Flammenwerfer trägt. Running Man zieht aus der 80er Jahre Popularität des Wrestlings um diese Kämpfer mit Gimmicks auszustatten. Deshalb passt auch Arnies Predator-Kumpel Jesse “The Body” Ventura als Captain Freedom nur allzu gut hierein, weil der Film Wrestling mit den American Gladiators (die nicht ohne Grund zwei Jahre nach Running Man starten werden) und den antik-römischen Überlebenskämpfen im Circus Maximus verbindet.

Wir merken genau, was Arnold Schwarzenegger an diesem Film zu kritisieren hatte, können uns aber ebenso an einer puren Unterhaltungstour erfreuen, die immer wieder erheblich gute Actionmomente bietet. Dabei durchläuft die Handlung zwar immer wieder dasselbe Schema – die Running Man-Teilnehmer treffen auf einen Gladiator und schlagen ihm mit seiner eigenen, stilprägenden Waffe – aber es ist die Art und Weise der Umsetzung, nicht ihre Wiederholbarkeit, die uns begeistern kann.

Running Man
Der Gladiator Dynamo (Erland Van Lidth De Jeude).

Dann aber – und so Arnies Kritik – sehen wir eben auch die unausgearbeiteten Ansätze der Medienkritik, die in dem 1987er Film zu finden sind und noch heute auf das Unterhaltungsprogramm angewendet werden könnten, da sie die immerwährenden Sensationsgelüste der Masse thematisieren, die in Film, Fernsehen, Radio und Literatur – eigentlich überall – regelmäßig auf diese dystopische Spitze getrieben werden, um uns einen Spiegel vorzuhalten, der uns ein gar nicht so abwegiges Bild zeigt.

Daneben können wir Medienmanipulation erkennen und natürlich die Macht der Medien, die hier nur allzu sehr missbraucht wird. In diese Themen hätte sich Running Man vertiefen können. Aber Paul Michael Glaser entschied sich für einen anderen Fokus, so dass es am Ende ein Duell von Arnold Schwarzeneggers Ben Richards gegen Richard Dawsons Showmaster Damon Killian wird, eine persönliche Vendetta, die alle Gesellschaftskritik in den Hintergrund drängt (es wäre interessant gewesen, eine Running Man-Version von Paul Verhoeven zu sehen zu sehen).

So bleibt – aber das ist nichts Negatives – Running Man ein comichaftes Sci-Fi Actionabenteuer, in dem Arnold Schwarzenegger sich wie in einem Videospiel durch mehrere Endgegner schlagen darf um eine Revolte gegen das Fernsehprogramm der Zukunft – des Jahres 2019! – anzuführen, in dem die Ratings und die Sensationsgeilheit tödlich-barbarische Ausmaße angenommen haben und ethische Grundsätzen ein für allemal vom Tisch sind.