Es hätte ein frühes Cinematic Universe werden können, als Regisseur Richard Fleischer nach seinem 1982er Conan, der Barbar auch den Fantasyfilm Red Sonja inszenierte. Die Schwert schwingende Kriegerin wurde von Roy Thomas erschaffen und tauchte zum ersten Mal 1973 in den Conan-Comics vom Marvel Verlag auf. Ausgerechnet Arnold Schwarzenegger darf im Film an der Seite von Hauptdarstellerin Brigitte Nielsen spielen, aber eben nicht als der von ihm zweifach verkörperte Conan.

Es beginnt mit Red Sonja, die von Königin Gedrens (Sandahl Bergman) Soldaten vergewaltigt wird, während ihre Eltern und ihr Bruder ermordet werden. Nach dem traumatischen Erlebnis wird Red Sonja von einem guten Geist besucht, der ihr die Stärke verleiht, Rache an der bösen Königin zu nehmen. Sie verbringt ihre Zeit damit, sich im Schwertkampf zu schulen, bis sie eines Tages von Kalidor (Arnold Schwarzenegger) aufgesucht wird, der sie zu ihrer sterbenden Schwester Varna (Janet Agren) bringt.

Ihre Schwester erzählt ihr von einem Talisman, der die Welt erschaffen hat und dessen ansteigende Macht die Welt nun auch wieder zerstören könnte. Königin Gedren und ihr Gehilfe Ikol (Ronald Lacey) haben den Talisman in ihren Besitz gebracht und Red Sonja muss ihn zerstören, bevor seine Macht ins Unermessliche steigt. Auf ihrer Mission wir sie von Kalidor begleitet sowie von Prinz Tarn (Ernie Reyes Jr.) und seinem Diener Falkon (Paul L. Smith), deren Königreich Hablock von der bösen Königin zerstört worden ist.

Red Sonja
Brigitte Nielsen als Schwertkämpferin Red Sonja.

Wer in den Genuss der englischsprachigen Originalversion von Red Sonja kommt, kann allein schon eine Menge Spaß mit den Dialogen zwischen Brigitte Nielsen und Arnold Schwarzenegger haben, die mit ihren jeweiligen Akzenten zu kämpfen haben. Während Arnie zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig Erfahrung vorzuweisen hat, ist es Nielsens erste Rolle und ihre dänische Mundart kommt noch arg zum Vorschein.

Daher wundert es auch nicht, dass das Drehbuch wieder (wie bei den Conan-Filmen) äußerst stumpf gehalten wurde. Hier bringt keiner einen intelligenten Satz hervor. Es ist, als hätte man Actionfilm One-Liner aneinandergereiht, um so zumindest ansatzweise ganze Sätze und Unterhaltungen in die Handlung zu bekommen.

Red Sonja ist Conan für Frauen – weil Conan in den 80er Jahren noch nicht für Frauen war, so jedenfalls das gesellschaftliche Verständnis – und so muss Brigitte Nielsen natürlich auch gegen eine böse Königin ankämpfen, die einen Talisman in ihren Besitz gebracht hat, der nur von Frauen berührt werden kann.

Man merkt aber ebenso, dass sich Red Sonja nicht nur in der Welt von Conan abspielt, sondern sich auch Inspirationen von anderen Abenteuerfilmen holt, in erster Linie vom einem Jahr zuvor erschienenen Indiana Jones und der Tempel des Todes. Hierher kommt der kleine Prinz Tarn, der als verzogener Bengel und vorlauter Dreikäsehoch stark an Jonathan Ke Quans Shorty erinnert und wie dieser unablässig die Nerven von Harrison Fords Indiana Jones strapazierte. 

Aber es sind gute Kopien oder Ehrerbietungen an andere Filme des Genres. Red Sonja hält aber auch allerhand Eigenes parat. Regisseur Fleischer hat einen Style und eine Ästhetik, die er sehenswert und beeindruckend in Szene gesetzt hat.

Red Sonja
Königin Gedren (Sandahl Bergman) hat den mächtigen Talisman in ihrer Gewalt.

So arbeitet er noch mehr als in seinem Conan-Film mit wunderschönen Fantasylandschaften, in denen es einiges zu entdecken gibt. Hier führen Brücken aus Reptilienknochen über gigantische Schluchten, tiefe und finstere Grotten in denen bösartige Monster auf unsere Heldengruppe warten und natürlich auch Schlösser und Festungen, mal prunkvoll glitzernd, mal düster und bedrohlich.

Vor diesen Hintergründen darf Brigitte Nielsen ihre Schwertkampfkünste unter Beweis stellen. Die Choreografien sind ausgeklügelt und alles andere als ein Schwerter aufeinander prallen lassen. Vor allem ein ausgedehnter Kampf im Wald zwischen Red Sonja und Kalidor ist überaus unterhaltsam anzusehen.

Red Sonja kommt an keinen der beiden Conan-Filme heran und es bleibt schleierhaft, weshalb das Franchise hier nicht zusammengeführt wurde. Aber trotzdem hat Richard Fleischer einen wundervollen Sword-and-Sorcery-Film erschaffen, bei dem sich der etwa 20 Minuten involvierte Arnold Schwarzenegger hinter Brigitte Nielsen zurückstellen muss, um einer starken Frauenfigur einen starken Fantasyfilm bestreiten zu lassen.