Nach Das Phantom Kommando hätte man die Hoffnung haben können, dass sich Arnie mit Der City Hai in einer weiteren Actionkomödie zeigt, die überbordende Gewalt als Comedy verkauft. Aber Regisseur John Irvin geht 1986 einen anderen Weg und nimmt seinem Film den Spaß weg, um ihn mit unnötiger Ernsthaftigkeit zu ersetzen. Es mag Arnold Schwarzeneggers bisher größte Sprechrolle sein, aber nicht einmal seinem Charisma gelingt es, dieser drögen und verwirrenden Story Leben einzuhauchen.

In Der City Hai wird der frühere FBI Agent und jetzige Sheriff einer Kleinstadt, Mark Kaminsky (Schwarzenegger), von dem alt und bitter gewordenen FBI-Chef Harry Shannon (Darren McGavin) losgeschickt, um Rache an dem Mord seines Sohns zu nehmen. Hierfür wird Kaminsky in die Mafia-Organisation von Luigi Patrovita (Sam Wanamaker) eingeschleust um diese von Innen heraus zu infiltrieren. Zwar kann er das Vertrauen des Mafia-Bosses und dessen rechter Hand Paulo Rocca (Paul Shenar) gewinnen, aber Handlanger Max Keller (Robert Davi) steht dem Neuling überaus skeptisch gegenüber.

Der  Film startet stark, als würden wir tatsächlich Das Phantom Kommando bekommen. “Du willst also als Zeuge aussagen? Sag das aus!” und BAMM, gibt es den ersten Toten. Es ist eine Blut spritzende Schießerei, mit der Irvin seinen Film eröffnet und Hoffnungen aufbaut, die er nicht erfüllen will.

Der City Hai
Mark Kaminsky (Arnold Schwarzenegger) mit Handlanger Max Keller (Robert Davi).

Fast wirkt es so, als wollte der Filmemacher mit Der City Hai einen neuen Der Pate drehen, ganz tief in die verstrickten Tiefen einer Mafia-Bande eintauchen und Arnie mitten hinein setzen. Dann aber hat er sich selbst in dem Drehbuch verloren oder Studio-Bosse haben Kürzungen verlangt, die den Film zerstückelt haben. So hält Der City Hai zahlreiche Momente bereit, die zwar eine Geschichte anfangen, dann aber im Nichts verschwinden und nie wieder aufgegriffen werden.

So darf Blanche Baker zu Beginn noch Arnies Ehefrau spielen. Eine betrunken-deprimierte Existenz, die mit einem Kuchen nach ihrem Ehemann wirft – “Du solltest nicht backen, wenn du betrunken bist!” ist einer der besseren Momente dieses Films. Arnie geht. Die Probleme mit seiner Frau kommen nicht wieder zur Sprache. Er verbringt eine Nacht mit einer anderen Frau (Kathryn Harrold als Monique) und erklärt später, dass er wieder mit seiner Frau zusammen sei. Hier versteckt sich eine Eheproblematik, die angekratzt, aber nie gezeigt wird.

Inmitten von Chicago kann Kaminsky derweil Männer durch Glasscheiben befördern, ohne dass das vorbeigehende Volk dem Treiben Aufmerksamkeit schenken würde. In Das Phantom Kommando funktionierte das noch, weil hier kein Realitätsanspruch gestellt wurde. Aber trotz ebenso ausschweifend-überbordender Schießereien, möchte Der City Hai so viel ernster sein als Arnies Auftritt als John Matrix, so dass man sich schon wundern muss, wie freundlich und besonnen, vielleicht auch ein bisschen gleichgültig die Menschen in Chicago zu sein scheinen.

Der City Hai
Arnold Schwarzenegger in DER CITY HAI.

Der Regisseur weiß weder mit seiner Story umzugehen, noch mit seinem Hauptdarsteller. Es ist eine nette Geste, Arnold Schwarzenegger mal etwas mehr und anspruchsvollere Drehbuchzeilen zu geben als die stummen und starren Blicke in zwei Conan und einem Red Sonja Film oder die maschinenhafte Performance in Terminator. Aber er gibt Arnie leider Zungenbrecher wie “he molested, murdered and mutilated her.” Das hört sich bei dem Österreicher arg konzentriert aufgesagt an und hätte sicher vereinfacht werden können.

Eigentlich hätte es gar nicht schwer sein dürfen. Der Plot klingt simpel: Ein Cop wird in eine Verbrecherorganisation eingeschleust um sie von Innen heraus zu zerstören. In Der City Hai allerdings wird aus dieser simplen Story ein konfuser und lückenhafter Film, dessen Regisseur es nicht versteht, die Stärken seines Hauptdarstellers auszuspielen. Vielmehr erscheint es so, als würde er sich als größter Gegner Arnies sehen und ihn mit seiner Inszenierung vorführen wollen. Darauf lässt sich Schwarzenegger freilich nicht ein. Er präsentiert sich zwar nicht gerade von seiner besten Seite, aber Der City Hai zeigt deutlich, wo seine Fehler liegen. Und sie liegen nicht bei Arnold Schwarzenegger.