Bis 1993 war George Bush Sr. im Amt des amerikanischen Präsidenten, weshalb der im selben Jahr veröffentlichte Dave, eine wunderbare Komödie von Ivan Reitman, wohl auch am ehesten auf dessen Zeit im Oval Office zurückzuführen ist. Aber gerade unter Donald Trump wird der Film mit Kevin Kline in der Doppelrolle des US-Präsidenten und seinem Doppelgänger nochmal überraschend relevant.

Vielleicht gibt es ihn ja wirklich: einen Menschen, der aussieht wie Trump, sich aber als naiver Gutmensch herausstellt, der in der Politik wieder für die wahren Werte einstehen würde. Dann aber ist es doch vielleicht ein wenig zu viel Film-Sentimentalität.

Regisseur Ivan Reitman, ebenso verantwortlich für Twins – Zwillinge und Kindergarten Cop, lässt Arnold Schwarzenegger in einer kurzen Szene auftauchen. Er darf Kevin Klines Dave bei einem Kindergeburtstag beistehen. “Esst keine Donots, das ist schlechtes Essen” steht Arnie immerhin für einen dieser guten Werte ein, die die Menschheit befolgen sollte.

Eigentlich heißt der Präsident der Vereinigten Staaten hier William Mitchell und ist ein widerwärtiges Arschloch, das sich mehr um sein Image als um die Bevölkerung schert. Er zeigt sich nur mit seiner Ehefrau (Sigourney Weaver), wenn die Kameras auf das Paar gerichtet sind, flüchtet sich sonst in sexuelle Eskapaden mit der Sekretärin (Bill Clinton beginnt seine reale Präsidentschaft erst 1993).

Für solcherlei Ausflüge sucht Secret Service-Mann Stevensen (Ving Rhames) nach einem Doppelgänger, den er in Dave Kovic findet. Dieser arbeitet für eine Zeitarbeitsagentur und verschafft Menschen einen Job. Er sieht exakt wie der Präsident aus und verdient sich ein bisschen Geld nebenher, wenn er auf lokalen Events auftritt um als amerikanisches Oberhaupt auf einem Schwein auf die Bühne zu reiten. Er ist ein Gutmensch, der Spaß daran hat, anderen Menschen zu helfen und ihnen Freude zu bereiten.

Dann erleidet der wirkliche Präsident einen Schlaganfall und der bösartige Stabschef des Weißen Hauses (Frank Langella spielt ihn wahrlich wie einen Teufel) und Pressesprecher Reed (Kevin Dunn) entscheiden, dass Dave noch ein wenig länger die Rolle des Staatsoberhauptes spielen soll, statt dem Vize (Ben Kingsley) das Ruder zu überlassen.

Das erinnert arg an Frank Capras Mr. Smith geht nach Washington, wo ein liebenswürdiger James Stewart als Neu-Senator in die Politik geholt wird, um dort nach alten Werten zu suchen und nur die dreckigen Machenschaften und das Streben nach einer Wiederwahl vorzufinden.

So findet sich auch Kevin Kline in einer Geschichte wieder, in der sich ein idealistischer Kleinstadt-Typ in der zynischen Realität der Politik verliert. Die Idee ist, dass diese naive Herangehensweise eines Aussenstehenden dafür sorgen soll, ein überaus korruptes Gefüge wieder zu seinen Ur-Vorstellungen zurückzuführen.

Diesen Typen spielt Kevin Kline mit bravour. Er könnte als Jimmy Stewart durchgehen, verleiht seinem Dave diese liebenswürdige Art und Weise, die nicht nur an Stewart, sondern auch an den wundervollen Robin Williams erinnert. Kline nimmt seine Rollen und zeigt, wieviel Spaß er mit ihnen haben kann, scheut sich aber auch nicht davor, die ernsteren Untertöne des Films anklingen zu lassen.

Die Prämisse mag arg klein erscheinen, aber Ivan Reitman inszeniert alles in den Film hinein, was er zu bieten hat. Mal schwingt er die Moral-Keule, macht den großen Fingerzeig auf die Politik und veralbert in ernsten Tönen, wie es heute House of Cards tut. Dann entfacht er die romantische Komödie, wenn Dave sich in die First Lady verliebt – eine Sigourney Weaver, die neben Kline als Präsident Mitchell spielt, als würde sie ein Alien töten wollen, während sie neben dem lieben Dave aber auftauen darf um ihre Romantic Interest-Qualitäten zu zeigen, wie sie es neben Bill Murray in Reitmans Ghostbuster getan hat. .

DaveWeaver zeigt sich als starke Side-Playerin. Sie sorgt sich um ihren Ehemann, als sie von dessen Infarkt erfährt, ganz gleich wie ihre Beziehung zueinander ausschaut. Es ist das Leben ihres Mannes, einem langjährigen Lebensgefährten, das hier in der Schwebe ist. Neben Dave erstrahlt ihr neues Glück. Es ist herzerwärmend, wie sich Kline und Weaver des nachts aus dem Weißen Haus schleichen um ein jugendliches Abenteuer zu erleben oder gelassen, Seite-an-Seite, durch die vielen Räume des Präsidentenhauses schlendern.

Das ist die Stärke von Dave, die Ivan Reitman hier zum Vorschein bringt: es ist keine Komödie, die im Dauerfeuer Scherze produziert. Es gibt auch diese ruhigen Momente, die dem Film eine ungewöhnliche Balance verleihen. Das zeigt, dass ruhige, harmlose Komödien wie Mr. Smith geht nach Washington in die Moderne (die 90er Jahre) übertragen werden können und immer noch wunderbar funktionieren. In Dave vor allem wegen einer Cast, die ihr Comedy-Timing perfekt aufeinander abgestimmt hat.