Ein Hoch auf die Filme der 1980er Jahre. Hier dürfen noch als Müllmänner verkleidete Killer in einem beschaulichen und ruhigen Vorort mit Uzis herum ballern und dabei einen Mann töten ohne das in der Nachbarschaft auch nur ein Mensch davon Kenntnis nimmt. In dieser Blubberblase inszeniert Mark L. Lester Das Phantom Kommando, einen hoch amüsanten Actionfilm mit Arnold Schwarzenegger, der weder sich noch die Handlung ernst nimmt, wodurch sich der Film einen unglaublich hohen Schauwert erwirkt.

Arnie spielt den im Ruhestand lebenden Special Forces Colonel John Matrix, der von seinem ehemaligen Vorgesetzten darüber informiert wird, dass eine Gruppe von Söldnern sein ehemaliges Team getötet hat. Nur der Australier Bennett (Vernon Wells) lebt noch, da er selbst zu der Söldnertruppe gehört. Ihnen gelingt es Jenny (Alyssa Milano) zu entführen und Matrix zu erpressen. Er soll für den früheren südamerikanischen Diktator Arius (Dan Hedaya) ein politisches Attentat in dessen Heimatland Val Verde begehen, wodurch ein Militärputsch angestoßen werden soll.

Die Story switched höchst schnell von einem kleinen Anfangsgeplänkel zwischen John Matrix und seiner Tochter – wie wundervoll sie miteinander die Zeit verbringen: sie angeln, er bringt ihr Kampfsport bei, sie füttern ein Rehkitz (Awww!!!) – zu einem Nonstop-Actiongeballer mit flotten 80er Jahre One Linern und Sprüchen, die es wert sind ein Notizbuch bereit zu legen.

Das Phantom Kommando
Am liebsten füttert John Matrix gemeinsam mit seiner Tochter kleine Rehkitze.

“Wenn du dein Kind wiedersehen willst, musst du mit mir zusammen arbeiten, richtig?” fragt ein Handlanger-Schurke. Die Antwort ist kurz und knapp im Arnie-Style gehalten: “Falsch!” und Bamm, ist der Typ auch schon Geschichte. “Keine Bewegung” sagt Matrix zu einem anderen Kerl. Ein darauf folgende “Geh zur Seite” provoziert bei seinem schurkischen Gegenüber einen kleinlauten Widerspruch: “Aber du hast gesagt, ich soll mich nicht bewegen!” Einer geht noch: “Du musst deine Tochter finden!” – “Wo ist sie?” – “Ich weiß es nicht!”

Das Drehbuch von Steven E. de Souza (Stirb Langsam, Nur 48 Stunden, Running Man) hält beabsichtigten und unbeabsichtigten Witz parat, manche Dummheiten, manche unlogischen Gespräche und Kommentare, ist für sich als Ganzes genommen aber unfassbar unterhaltsam, weil der Film sich nicht als hartes Action-Entführungsdrama präsentieren möchte, sondern als Fun-Geballer, bei dem man niemals dazu kommen soll, Atem zu holen.

Dabei spielt Arnold Schwarzenegger eine Parodie seiner eigenen ernsteren Rollen, während er im dritten Akt zu Sylvester Stallones Rambo wird, durch die Leichtigkeit der Inszenierung allerdings weitaus besser zu ertragen. Zugleich gibt sich Arnold als zum Leben erweckte 80er Jahre Actionfigur. Ein G. I. Joe, der seine Muskeln, seine Brutalität, seine Angriffslust und eine ganze Menge Waffen zelebriert.

Das Phantom Kommando
Vernon Wells als schurkischer Gegenspieler Bennett.

Man sollte aber auch die Kraft eines guten Gegenspielers niemals unterschätzen und den bekommt Arnold Schwarzenegger in Das Phantom Kommando ohne Frage. Vernon Wells spielt Bennett mit homosexuellen Touch, mit Schnurrbart und schurkischen One Linern als teuflisch-böse Variante eines Mitglieds der Village People. Allein an dieser Performance – die übertrieben aber passend für diesen Film wirkt – wird deutlich, was Das Phantom Kommando eigentlich sein möchte.

Der Actionstreifen macht sich zu einer Comic-Version eines 80er Jahre Actionfilms, bei dem ganz deutlich der Spaß im Mittelpunkt stehen soll. Vermutlich wollte Arnie sich einmal von der mimiklosen Ernsthaftigkeit eines Conans oder des Terminators verabschieden und ein wenig mehr Spaß ausstrahlen dürfen. Und das ist ihm voll und ganz gelungen.