Wenn es einem Film gelingt, im Nachhinein noch einen vorherigen Film aufzuwerten, dann muss er einiges richtig gemacht haben. Nach DC und Warner Bros.’ Gemeinschaftsprojekt Wonder Woman stand auf einmal auch Batman v Superman: Dawn of Justice gar nicht mehr so übel da. Ähnlich nun in einem anderen Cinematic Universe, dass sich neben dem großen Marvel-Marktführer und den Aufholjagd-Versuchen seitens DC Comics heimlich und erfolgreich in die Kinosäle geschlichen hat: Annabelle 2: Creation ist eine fast perfekte Verknüpfung mit dem Erstling, dem Mutter-Franchise The Conjuring und dem in 2018 starteten Spin-Off The Nun.

Willkommen in der Horrorfilm Franchise-Welt der wahren Fälle von Lorraine und Ed Warren, die bereits zweimal von Patrick Wilson und Vera Farmiga in den Conjuring-Filmen verkörpert wurden. In ihren eigenen Fällen haben sie einen ganzen Haufen von unheimlichen Artefakten angesammelt, die sich nun alle in ihrem persönlichen Museum befinden. Dort sitzt auch die Grusel-Puppe Annabelle, deren Entstehungsgeschichte hier nun von Regisseur David F. Sandberg (Lights Out, 2016) in Annabelle 2: Creation erzählt wird.

Die Handlung setzt im Jahre 1955 an, wo das Ehepaar Samuel und Esther Mullins (Anthony LaPaglia und Miranda Otto) ihr großes Landhaus Schwester Charlotte (Stephanie Sigman) und sechs heimatlosen Mädchen als Unterkunft anbieten, nachdem ihr Waisenhaus geschlossen wurde. Bereits in der ersten Nacht schleicht sich die an Kinderlähmung leidende Janice (Talitha Bateman) in das Kinderzimmer der verstorbenen Tochter Annabelle Mullins. Dort findet sie eine gruselige Puppe, die fortan die Bewohner des Hauses terrorisiert.

Annabelle 2: Creation
Schwester Charlotte (Bond-Girl Stephanie Sigman) mit der kleinen Janice (Talitha Bateman).

Mit der Annabelle-Fortsetzung ist es dem Regisseur gelungen, die vergangenen Fehler des ersten Spin-Offs – und die immense Langeweile – auszubessern. Jetzt bekommen wir vorhersehbare, aber wundervoll atmosphärisch inszenierte Grusel-Momente mit Teenies, die sich zuerst noch mit einer Taschenlampe bewaffnet unter einem Bettlaken amüsieren können, nur um wenig später in die pure Horror-Schockstarre gebracht zu werden.

Der belgische Kameramann Maxime Alexandre tüftelt hier mit seinen Bildern allerhand Schönes, wie wenn Janice – sich auf ihre Stelze stützend – vor der unheimlichen Tür des Kinderzimmers aufbaut – ohne dass hier bereits ein Dämon am Werk wäre, wirken solche Bilder schlicht zum Wegrennen schaurig, wenn sie richtig gefilmt werden. 

Damit haben es die Kinder in Annabelle 2 allerdings überhaupt nicht – kein rennen, kein schreien, kein weinen. Äußerst abstrus scheinen wir es mit den mutigsten Waisenkindern aller Zeiten zu tun zu haben. Die kleine Linda (Lulu Wilson) mag noch rücklings unter der dunklen Treppe hervor fallen, wenn sie Annabelle dort erblickt, sitzt aber im nächsten Moment schon wieder vor ihrer offen stehenden Zimmertür und blickt in die pure Dunkelheit.

An anderer Stelle wird ein älteres Mädchen in einer Scheune eingesperrt, wo sich plötzlich eine gespenstische Vogelscheuche in Bewegung setzt. Erst greift das Mädchen zur Axt, dann nimmt sie sich eine Leiter um die sich von selbst heraus drehenden Glühbirnen davor zu hindern, sie in gänzliche Dunkelheit zu stürzen. Während die tapfere Teenagerin dabei gar die Vogelscheuche aus den Augen lässt, säße man selbst vermutlich wimmernd in der Ecke und würde sich die Seele aus dem Leib kreischen.

Annabelle 2: Creation
Janice wagt sich in denselben Raum wie Puppe Annabelle.

Aber das verzeiht man dem Film nur zu gerne, der in Talitha Bateman eine grandiose Jung-Hauptdarstellerin gefunden hat. Es fühlt sich fast schon nach einem Feelgood-Movie an, so strahlend sympathisch gelingt ihr der Einstieg in diesen Film. Ihre Janice leidet zwar an Kinderlähmung, hat aber vor allem für ihre beste Freundin Linda immer ein Lächeln und aufbauende Worte parat, die sie selbst niemals für sich in Anspruch nehmen würde. Man fühlt ihre Trauer nur, wenn sie aus dem Fenster schaut und sieht, wie die anderen Kinder dort herumtollen, während sie an ihre Krücke gebunden ist.

Und ihre Entwicklung im Film ist ebenso spannend mit anzusehen. Sie bleibt nicht dieses fröhliche Mädchen, sondern bekommt aus erster Hand mit, was in diesem Haus vor sich geht und ist die Hauptbetroffene des Spuks, der von der Annabelle-Puppe ausgeht. Mit scheinbarer Leichtigkeit wechselt Bateman hier ihre Gefühlslagen und ihr Spiel und gibt uns damit eine vorzügliche Jung-Darbietung voller schauspielerischer Facetten.

Annabelle 2: Creation bietet natürlich auch eine ganze Menge Jump Scares, aber eben auch Atmosphäre, was nicht zuletzt durch das Setting der 1950er Jahre und diesem alten, einsam in der Landschaft stehenden Haus liegen mag. Die Annabelle-Puppe kommt in jedem Moment gruselig daher und man möchte das Ding selbst irgendwie loswerden. Der Dämon, der von dieser Puppe Besitz ergriffen hat, wird wenig bis gar nicht vorgeführt, was immer einen Gewinn für den Einsatz der eigenen Fantasie darstellt.