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Anime | IN THIS CORNER OF THE WORLD von Sunao Katabuchi

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Die junge Frau namens Suzo in In This Corner Of The World ist seit Kindheit eine Träumerin. So würde sie sich jederzeit auch selbst beschreiben. Aber der Film von Regisseur Sunao Katabuchi – der unter Studio Ghiblis Hayao Miyazaki gelernt hat – zeigt nur allzu eindringlich, was ein Krieg aus einer Träumerin wie Suzo machen kann.

Der Film nimmt seiner Protagonistin langsam die Kraft zum Träumen, lässt die Realität so depressiv unterdrückend sein, dass diese Leichtigkeit der Vorstellungskraft gänzlich verloren geht. In This Corner Of The World basiert auf dem gleichnamigen Manga von Fumiyo Kouno und spielt im Hiroshima und dem nahe gelegenen Kure der 1930er und 40er Jahre. Sechs Jahre lang hat der Regisseur für seine Recherche verwendet, um mit mehr als 4000 Fotografien aus dieser Zeit ein möglichst detailgetreues Bild wiedergeben zu können.

So erzählt er in erster Linie von seiner Suzu Urano, wie sie vom kleinen Kind zur erwachsenen Frau wird, dabei immer versucht an ihrem künstlerischen, liebenswürdigen und unterstützenden Wesen festzuhalten, während der Krieg und natürlich am 6. August 1945 eine verheerende, “neue” Bombe über Hiroshima hereinbricht.

In This Corner Of The World

Der Krieg bricht über Japan herein.

Fast so wirkt es, als würden wir diese Geschichte von einer alt gewordenen Suzu erzählt bekommen. Gerade zu Beginn wird in kurzen Vignetten das Aufwachsen des Mädchens erzählt. Immer wieder werden historische Daten eingeblendet, als würde ein neuer Eintrag in einem Journal folgen.

In der ersten Hälfte von In This Corner Of The World sehen wir so in kurzen Abschnitten, wie Suzu das Kochen lernt, wie sie einen Kimono anfertigt oder einen Fisch zeichnet. Es sind diese Alltäglichkeiten, die die zweite Hälfte des Animes so hart werden lassen.

“Es ist so schön ein Kind zu sein, dann hat man noch so viele Dinge die vor einem liegen” meint Suzu einmal früh im Film. Die Tragik ergibt sich natürlich aus unserem Vorwissen, dass dieses Kind so einiges erleben muss, dass ihr das Kindsein nehmen wird. Dazu gehört nicht nur der Krieg, sondern auch eine Zwangsheirat mit Shusaku, zu dessen Familie sie geschickt wird und wo sie den Haushalt übernehmen muss. Trotz der Tatsache, dass Suzu keine gute Haus- und Ehefrau werden will, lernt sie Shusaku doch lieben und pendelt dauerhaft zwischen ihrer eigenen und der neuen Familie von Hiroshima nach Kure.

Aber irgendwann wird der Alltag gefährlich. Es beginnt mit einem einzelnen Fliegeralarm. Schon bald mehren sich die Gefahrensignale. Es folgen Stromausfälle, Evakuierungen oder eine teils bedrohliche, teils amüsante Episode, bei der Suzu von der Militärpolizei aufgegriffen wird, da sie ihre Zeichnungen sehen und das Mädchen für eine Spionin halten.

Und dann irgendwann sitzen wir nur noch ängstlich und zusammengekauert mit Suzu in Schutzbunkern, während Bomben auf die Stadt fallen oder finden uns in Gräben wieder, wo sie schutzsuchend versucht zu überleben, während links und recht Freunde und Familie ihr Leben lassen.

In This Corner Of The World

Die junge Suzu muss früh lernen eine erwachsende Frau zu sein

Katabuchi zeigt recht unaufgeregt und mit wenig Dramatik, wie die Atombombe in Hiroshima explodiert. Das Kriegstreiben bietet nicht die schlimmsten Bilder in In This Corner Of The World. Es sind die Dinge, die wir hinterher zu sehen bekommen, das Unwissen der Menschen über einen plötzlichen Ausschlag, ein Juckreiz der sie fast alle befällt, Bilder von Kindern, die neben ihrer sterbenden Mutter sitzen, die von Fliegen umschwirrt wird. Hier setzt das ganze Mitgefühl ein und es darf kräftig geschluckt werden, um sich nicht selbst in großer Trauer zu verlieren.

In This Corner Of The World zeigt mit wieviel Liebe hier die Zeichnungen entstanden sind. In jedem Bild finden sich unendlich viele Details. Hier gibt es keinen Hintergrund, hier steht alles im Vordergrund. Ob die Figuren, die Einrichtung eines Hauses, ein opulentes Essen oder die Landschaften – der Film sieht einfach nur schön aus.

Aber die enorme Länge von über zwei Stunden kann einem durchaus zusetzen. So wichtig der langsame Aufbau für die Geschichte ist, so sehr wird auch unsere Aufmerksamkeit strapaziert, weil es eben so viel normalen, unaufgeregten Alltag benötigt, um den Film später so effektiv auf uns einwirken zu lassen.

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