Filmkritik

“Anchorman 2: Die Legende kehrt zurück” von Adam McKay

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Das Anchorteam ist zurück: Steve Carell, Paul Rudd, David Koechner, Will Ferrell (v.l.n.r.)

Das Anchorteam ist zurück: Steve Carell, Paul Rudd, David Koechner, Will Ferrell (v.l.n.r.)

Manches Mal ist es unerklärlich wie sich Legenden hochspielen. Eine kleine Durchschnittskomödie, positives Einspielergebnis und größtenteils Zuspruch von den Kritikern, aber noch lange nichts außergewöhnliches, wird mit den Jahren so sehr von den Fans in ihre Herzen geschlossen, dass es fast zehn Jahre später – jetzt – zu einer Fortsetzung kommt. Dabei ist die Hauptfigur dieser Komödie selbst eine Legende: Nachrichtensprecher Ron Burgundy, skurill infantil von Will Ferrell verkörpert. An seiner Seite ein Team, das nicht minder bescheuert daher kommt: Frauenschwarm und Außenreporter Brian Fantana (Paul Rudd), Sportreporter Champ Kind (David Koechner) und der intellektuell zurückgebliebene Wetteransager Brick Tamland (Steve Carell).

Die Legende kehrt zurück heißt es nun in den deutschen Kinos – und mit ihr die sketchartigen Witze, die grundsätzlich unter der Gürtellinie angesiedelt wurden. Ron Burgundy und sein Nachrichtenteam sind in den End-70er Jahren angekommen und dürfen sich über die sexuelle Revolution freuen, afroamerikanische Mitmenschen noch als Besonderheit ansehen und vor allem: sich dem ersten 24 Stunden Nachrichtensender GNN anschließen. Ein wahnwitziges Vorhaben wenn es nach Burgundy geht, aber der Gehaltsscheck schickt ihn auf eine Kurzodyssee um seine Truppe von einst wieder zusammen zu trommeln – Erinnerungen an die Muppets sind unumgänglich, die Ähnliches in ihrem ersten Film 1979 (dasselbe Jahr in dem auch Anchorman 2 spielt) und im Neustart 2011 (in dem ein neuer Muppet namens Walter eingeführt wurde, hier der Name des Neu-Burgundy, dem Sohn von Ron und Veronica Corningstone) vollführten. Und eigentlich könnte man das Newsteam von GNN auch als Muppets betrachten. Mit dem infantilen Witzen würde man den Muppets wohl eher Unrecht tun, doch als Marionetten des Quotendrucks sieht sich das Burgundy-Team einer Nachrichtenwelt gegenüber, die von Verfolgungsjagten geprägt wird, nicht von wirklich bewegenden Dingen. Der Sensationsjournalismus ist hier der größte Feind des Nachrichtensprechers.

Stylisch durch die End-70er Jahre: Will Ferrell als Ron Burgundy und Christina Applegate als Veronica Corningstone-Burgundy

Stylisch durch die End-70er Jahre: Will Ferrell als Ron Burgundy und Christina Applegate als Veronica Corningstone-Burgundy

Leider fehlt dieser rote Faden in großen Teilen, der Film schwimmt vor sich her und weiß nicht so recht, wie er dem Zuschauer vermitteln kann, was er eigentlich möchte. Ferrell, der gemeinsam mit Regisseur Adam McKay am Drehbuch geschrieben hat, kann seine sieben Jahre beim US-Comedyformat Saturday Night Live nicht verbergen. Was jedoch in kurzen fünfminütigen Sketchen gut funktioniert, verhilft einer immerhin fast zwei Stunden andauernden Komödie nicht gerade zu einem wohl geformten dramaturgischen Bogen. Man kann ohne große Probleme die Sketch-Narratologie erkennen, in der es in jeder Szene auf eine Pointe hinausläuft, die mit dem nächsten Moment nichts mehr zu tun hat.

Erst zum Ende fängt sich der Film, wenn Ron Burgundy die volle Breitseite Leben abbekommt und Will Ferrell seinem Burgundy noch einen ernsten Moment mit auf den Weg gibt. Das geläuterte Image mag nicht so recht zu diesem Mann passen, aber im Namen des Hollywood Happy Ends ist auch dies noch zu verkraften. Die letzten zehn Minuten erklären, worum es eigentlich die ganze Zeit ging. Schade wenn sich der eigentliche Konflikt eines Films erst so spät manifestiert.

Ferrell und Carell sind bereit für den Anchorman Battle of New York

Ferrell und Carell sind bereit für den Anchorman Battle of New York

Eine der stärksten Szenen des ersten Films wurde derweil wiederholt und ebenfalls an das Ende gesetzt, als wolle man hier noch einmal Überzeugungsarbeit leisten. Das, was zuletzt gezeigt wird, brennt sich am stärksten in die Erinnerung der Zuschauer. Der Battle of San Diego zwischen den Nachrichtenteams des ersten Teils wird hier nun ausgeweitet. New York, wo die Handlung des zweiten Teils hinverlagert wird, bietet nicht nur eine größere Masse an konkurrierenden Sendern, sondern wohl auch weitaus bekanntere Gesichter, die hier in Gastrollen auftauchen. Da jedes der Gesichter eine positive Überraschung darstellt und zugleich perfekt für die jeweilige Rolle auserkoren wurde, soll hier nicht verraten werden, wer zur Schlacht mit Laserwaffen aus der Zukunft und Minotaurus-Kriegern vor der Kulisse des Flatiron Buildings antritt.

Das Problem mit dieser Anchorman-Schlacht, wie auch mit dem Film selbst: Die Legende mag zurück sein, hinterlässt aber nicht einen solchen Eindruck wie beim ersten Mal. Qualitativ lassen sich kaum Unterschiede ausmachen, da man sich am Strickmuster des ersten Teils orientiert. Dieser hatte jedoch den Moment der Überraschung auf seiner Seite, der aus einer unbefangen veröffentlichten Komödie einen kleinen Hit mit leidenschaftlicher Gefolgschaft machte. Anchorman 2: Die Legende kehrt zurück ist nicht mehr als ein Aufguss dieses Erfolgs, der zudem aus dem ersten 90 Minüter einen zähen Kaugummi gemacht hat.


Anchorman 2_Poster“Anchorman 2: Die Legende kehrt zurück”

Originaltitel: Anchorman 2: The Legend continues
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 113 Minuten
Regie: Adam McKay
Darsteller: Will Ferrell, Paul Rudd, David Koechner, Steve Carell, Christina Applegate, Meagan Good, Judah Nelson, James Marsden, Greg Kinnear, Kristen Wiig

Kinostart: 30. Januar 2014
Im Netz: anchorman-derfilm.de


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