Wenn Chris Kyle in den Fernsehnachrichten von Terroranschlägen erfährt ist seine erste Frage an sich selbst, wer UNS das angetan habe? Das ist der amerikanische Patriotismus der Soldatenfilme oftmals unverständlich oder nicht nachvollziehbar für das internationale Publikum macht. Und so gut Bradley Cooper in Clint Eastwoods American Sniper auch spielt – es ist ganz und gar kein schlechter Film – man merkt ihm die Glorifizierung an, die dafür sorgt dass dieser Scharfschütze zum Helden erhoben wird, obwohl über 100 Tode – Männer, Frauen, Kinder – auf seinem Konto zu finden sind.

„Wir ziehen in dieser Familie keine Schafe groß“ beginnt American Sniper mit einer Rückblende auf Chris Kyles Kindheit und die Moralpredigten seines Vaters. „Und ich werde dir den Hintern versohlen, wenn du zum Wolf wirst.“ Der Wolf als Sinnbild für all die terroristisch veranlagten Attentäter, die sinnlose Akte der Gewalt verüben. Das Schaf als Opfer, das sich nicht wehrt, sondern die Ereignisse einfach über sich ergehen lässt. Quasi die Verurteilung derer, die nicht für ihr Land eintreten und es sich lieber auf dem Sessel gemütlich machen.

Der kleine Chris wird als Schäferhund erzogen, also als die gesunde Mitte zwischen Schaf und Wolf, die heldenhaft dafür einsteht, diejenigen zu beschützen die in Not sind. Kyle wird sich zu einem prächtigen Exemplar eines Schäferhundes entwickeln, sein Vater wäre stolz auf ihn. Ein wahrer Patriot, in Clint Eastwoods Definition auch noch ein echter Mann – ein Cowboy, der immer den Finger am Abzug haben muss.

Lange sehen wir die markante Szene aus dem Trailer, in der Bradley Cooper auf dem Dach eines Gebäudes liegt, eine Frau und ein Kind im Visier hat, die eine Bombe geradewegs zu einem amerikanischen Soldatentrupp tragen. Er muss die Entscheidung selbst fällen, kein Vorgesetzter gibt ihm den Befehl. Handeln nach eigenem Ermessen. Eastwood treibt die Anspannung in die Höhe, reißt uns mit Flashbacks ein wenig raus. Aber sein Vorhaben ist verständlich. Wir sehen wie Chris Kyle seine Kindheit lebt, wie er heiratet und Kinder hat. Er erlebt Dinge, die ihn bei seinen Entscheidungen begleiten sollen. Diese Frau und das Kind in seinem Visier, es könnten ebenso eine Ehefrau und der Sohn eines Mannes wie ihm sein.

Der wirklich interessante Aspekt des Films kommt ein wenig kurz. Aus dem Krieg heimgekehrt muss Chris sich einer posttraumatischen Belastungsstörung stellen, die der Krieg bei ihm hinterlassen hat. Sein Geist ist immer noch dort, wo er den Abzug drücken muss, wo Gewehrschüsse und Bombeneinschläge zu den alltäglichen Umgebungsgeräuschen gehörten. Der Arzt stellt ihm eine Diagnose von überhöhten Blutdruck, als trinke er 14 Tassen Kaffee am Tag. Bei einem Barbecue dringen die Alltagseinflüsse so tief in ihn ein, dass er vollends durchdreht, den eigenen Garten zum Kriegsschauplatz werden lässt. Seine Frau versucht ihm beizustehen, verzweifelt aber oftmals an ihrem Mann. Sienna Miller ist nur ein kleiner Teil des Films, nimmt aber einen starken, nicht wegzudenkenden und wichtigen Part ein.

Nun mögen wir nicht ganz so sehr in diesen Patriotismus hinein finden, müssen uns aber dennoch zweier Dinge klar sein. Dies ist eine enorm gute schauspielerische Leistung seitens Bradley Cooper, der ohne viele Worte eben dieses Posttrauma des Krieges in seinem Gesicht aufzeigen kann. Und es ist eine ebenso beeindruckende Leistung von Regisseur Clint Eastwood, der sein eigenes schauspielerisches Aushängeschild – den Wilden Westen – auf einen Kriegsschauplatz der Moderne verlagert. Seit Gran Torino hatte man nicht mehr so viel Spaß mit einem Eastwood-Film.

American Sniper läuft ab dem 26. Februar 2015 in den Kinos.

Habt ihr vor den Film im Kino zu schauen, was sind dann eure Erwartungen an American Sniper, der ja auch von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences einige Oscar-Nominierungen erhalten hat (und einen Oscar gewinnen konnte)? Und sobald ihr den Film gesehen habt, was sind eure Meinungen zum neuesten Regiewerk Clint Eastwoods? Teilt eure Gedanken in den Kommentaren und startet die Diskussion um American Sniper.