Filmkritik

“Alphabet” von Erwin Wagenhofer

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Alphabet_PlakatDer Dokumentarfilmemacher Erwin Wagenhofer warf 2005 einen Blick auf die zunehmende Massenproduktion von Nahrungsmitteln. Es war der erfolgreichsten österreichischen Dokumentarfilme überhaupt: We Feed The World – Essen Global. Drei Jahre später folgte das weltweite Finanzsystem, welches ebenso kritisch von Wagenhofer begutachtet wurde. Let’s Make Money. Die globale Trilogie findet mit Alphabet ihren Abschluss, wo weltweit das Bildungssystem hinterfragt wird. Und erneut schafft es eine Dokumentation von Herrn Wagenhofer, dass man so manches Mal mit offenem Mund vor den zu sehenden Bildern sitzt. Vielleicht drückt es eine Metapher des Pädagogik-Professors Yang Dongping aus China am besten aus, was dieser Film auszudrücken versucht: Er sieht den Drachen am Himmel als Symbol für unsere Kinder, die von den Eltern und der Schule getragen werden sollen. Wir hoffen, dass dieser Drachen immer höher und höher steigt, aber in Wirklichkeit versuchen wir ihn doch noch viel mehr zu kontrollieren. Der Film findet seinen bösen Widersacher in „Mr. PISA“ Andreas Schleicher, der freudestrahlend aufnimmt, dass es Schüler gibt, die Stoff in zehn Jahren durchpauken, der für zwölf Jahre vorgesehen ist. Da ist „wirklich viel rauszuholen“. Die Nachfrage nach der Freizeit der Kinder wird da schnell unter den Teppich gekehrt und nur sanft belächelt. Die von Natur aus neugierigen und kreativen Kinder werden zurecht gestutzt, verschwinden in einem von der Wirtschaft aufgebauten System, dass Prüfungsmaschinen erschafft, die später zu leistungsorientierten Manager-Figuren werden sollen. Bei einem Firmenmeeting echauffiert sich eine Mitarbeiterin darüber, dass man nach einem Mutterschaftsurlaub ja gar nicht mehr Fuß fassen könne. Dann wäre der große Traum vom CEO nicht mehr möglich. An anderer Stelle wird eine Universität gezeigt, die einen CEO Of The Future-Wettbewerb abhält. Nach Alphabet möchte man das Wort CEO dann zum Unwort des Jahrhunderts küren.

Alphabet
Regie: Erwin Wagenhofer; Drehbuch: Sabine Kriechbaum, Erwin Wagenhofer
113 Minuten, von 2013
Offizielle Homepage zum Film

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