Kinokritik

Ridley Scotts ALIEN: COVENANT ist mehr Prometheus-Sequel als Alien-Prequel!

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Das Beste an Prometheus, Ridley Scotts 2012er Versuch sein Alien-Franchise in der Neuzeit wiederzubeleben, waren die Performances von Michael Fassbender als Android David, Noomi Rapace als Archäologin Elizabeth Shaw und Charlize Theron als Meredith Vickers, das Alien-obligatorische Corporate-Evil. Prometheus hat gut daran getan den Alien-Bezug aus dem Titel zu streichen, ein Fehler den nun Alien: Covenant wiederum gemacht hat. Denn dieser erneute Versuch den Xenomorph als Movie Monster zu zeigen ist mehr Prometheus-Sequel als Alien-Prequel. Dazu passend sind die Darsteller (Rückkehrer Michael Fassbender, Danny McBride und Katherine Waterston) wieder ungewöhnlich gut für einen eher belanglosen Film aufgelegt.

Alien: Covenant

Katherine Waterston spürt dass in ALIEN: COVENANT nichts Gutes lauert.

Sie sind Teil eines Kolonialschiffes, dass den Auftrag hat zu einem entfernten Planeten zu fliegen und diesen mit den im Tiefschlaf liegenden Passagieren neu zu bevölkern. Dann aber fangen sie einen Funkspruch ab und entdecken einen bisher unbekannten Planeten, der ebenso die notwendigen Lebensbedingungen erfüllen würde und weitaus näher liegt. Statt Jahren wäre man nur wenige Tage hierher unterwegs. Also nimmt man neuen Kurs auf und landet inmitten einer Hölle voller todbringender Kreaturen.

Im Gegensatz zu seinem 1979er Original Alien oder auch James Camerons Fortsetzung Aliens verbreitet dieser Film mehr Langeweile und arbeitet mit – nicht schlechter – überflüssigen CGI-Bildern. Der Horror des ersten Alien-Films kam aus dem Ungesehenen, aus der Dunkelheit. In Covenant schmunzelt man allenfalls über den Einsatz von Taschenlampen, wenn die Umgebung doch ziemlich hell erscheint.

Derweil verlieren sich die viel zu vielen Figuren in viel zu vielen Unterhaltungen über Gott und die Welt, so dass auch das ungemeine Action-Gefühl von Camerons Aliens niemals aufkommt. Hier herrscht weder Bedrohung noch Angst, weder Aufregung noch Adrenalin. Alien: Covenant ist damit alles andere als ein Alien-Film. Es ist Prometheus 2.

Hervorstechen darf Michael Fassbender in einer Doppelrolle. Er ist Android Walter an Bord der Covenant und auch David, ein Überbleibsel der Prometheus-Expedition. Die spannendsten Szenen hat Fassbender mit sich allein. Es wäre vermutlich passender gewesen, den Film schlicht „David“ zu nennen, denn um ihn dreht sich eigentlich alles. Hier jedoch ist das Problem, dass Fassbenders Spiel noch so gut sein kann, die Mono- oder Dialoge seiner Figuren sind weder interessant, noch führen sie die Story irgendwo hin. Sie sind einfach nur gut performed.

Alien: Covenant

Michael Fassbender spielt in ALIEN: COVENANT die Androiden-Doppelrolle von Walter und David

Katherine Waterston hat hoffentlich noch eine Filmkarriere neben dem Alien– und Fantastische Tierwesen-Franchises bevorstehen. Sie spielt hier gut, kann sich aber auch nicht gegen einen Michael Fassbender durchsetzen, der nur allzu leicht den ganzen Film an sich reißt. Das Drehbuch von John Logan und Dante Harper macht aus ihrer Figur im letzten Akt überraschend die Action-Heldin, die einst Sigourney Weaver war, ohne ihr vorher irgendwelche Charaktereigenschaften zuzuschreiben, die diese Wandlung nachvollziehbar machen würden.

Der furchtbarste Moment ist ein Angriff kleiner Vorzeit-Alien-Kreaturen. Wenn diese auf dem neu entdeckten Planeten die Covenant-Besatzung im hohen Gras attackieren, fühlt man sich ganz schnell an Steven Spielbergs Vergessene Welt: Jurassic Park erinnert – die Velociraptoren greifen Soldaten im hohen Gras an. Sehr ähnlich. Sehr einfallslos.

Alien: Covenant ist weder der Sci-Fi Horror der Alien war, noch das Action-Fest, das wir mit Aliens bekommen haben. Je mehr Alien-Filme Ridley Scott dieser Tage in die Kinos bringt, desto besser werden derweil Alien 3 und Alien: Die Wiedergeburt. Ob das gewollt ist, darf in Frage gestellt werden.

Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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