Filmkritik

“9” von Shane Acker

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9 (links) mit der kriegerischen 7 (mitte) und dem einäugigen 5 (rechts) in Shane Ackers "9"

9 (links) mit der kriegerischen 7 (mitte) und dem einäugigen 5 (rechts) in Shane Ackers “9”

Immer öfter nimmt Hollywood sich Kurzfilme zum Vorbild ihrer Langfilm-Ambitionen. So ist es mit Neill Blomkamps District 9 gewesen, über dem die schützende Hand des ausführenden Produzenten Peter Jackson schwebte, so ist es aber auch mit 9 von Shane Acker, der ganz offensichtlich seinem Filmpaten Tim Burton nachempfunden wurde. Dieser war es auch, der Acker dazu animierte, aus dessen 2005er Kurzfilm – mitsamt Oscar-Nominierung – einen knapp 80 Minuten, kurzweilig und schön animierten Langfilm zu machen.

In 9 geht es um eine mit dieser Zahl nummerierte Stoffpuppe, die in einer postapokalyptischen Welt zum Leben erwacht. Die Menschen sind inzwischen von der Erdoberfläche verschwunden und nur ein kleines Grüppchen von Stoffpuppen – Nummer 1 bis 8 – versucht neben den weltbeherrschenden Maschinen zu überleben. Und 9 ist nun derjenige welcher, der den gewohnten Überlebensalltag durcheinander bringt, als er sich nicht länger vor den Maschinen verstecken und vor ihnen davonlaufen will. Er versucht die anderen Püppchen davon zu überzeugen, dass es an der Zeit ist, den Feinden entgegen zu treten.

9 (links) mit 1 (rechts), dem engstirnigen Anführer der Puppen

9 (links) mit 1 (rechts), dem engstirnigen Anführer der Puppen

Dabei wirken die Puppen nicht zuletzt durch eine starke Voice-Cast wie menschliche Inkarnationen, die das auszubaden haben, was viele Jahre zuvor durch die Menschen verunstaltet wurde. Christopher Plummer, Martin Landau, John C. Reilly, Crispin Glover, Jennifer Connelly oder auch Elijah Wood sorgen im Original dafür, dass die Puppen nicht nur durch ihr unterschiedlich und hübsch gestaltetes Äußeres voneinander zu unterscheiden sind, sondern eben auch stimmlich einiges hergeben. Jede Figur bekommt einen stereotypen Charakter, vermittelt hierdurch die verschiedensten Eigenschaften, die ihre ganz eigenen Stärken und Schwächen mit sich bringen.

Dass die 80 Minuten Filmmaterial gerade einmal mit 19 Minuten Dialog auskommen, gilt wie so oft als Stärke. Wer mit wenigen Worten ein Handlung so dicht erzählt bekommt, muss einfach als talentierter Geschichtenerzähler anerkannt werden. Shane Acker gelingt dies vor allem deswegen, da seine Welten stark an die visuellen Bauten eines Tim Burtons erinnern. Ein wenig mag er sich darauf ausruhen, aber dann funktioniert es auch einfach wunderbar und harmoniert vor dieser endzeitlichen Kulissen unterhaltsam mit den stillen Puppenfiguren.

Damit wird aus dem Film ein wunderbares Endzeit-Märchen, das allenfalls wenige Mängel vorzuweisen hat, wenn es um die Welt an sich geht, die sich mit der knappen Laufzeit viel zu wenig entfalten kann. Acker springt recht schnell in die Handlung hinein, schwelgt in seinen düster-ernsten Fantasien, die mitsamt der Boshaftigkeit der Maschinen sicherlich nicht zum Kinderfilm taugen.

9
79 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren, Heimmedienstart: 22. Juli 2010
im Netz: Offizielle Homepage zum Film
alle Bilder © Universal Pictures Germany GmbH

Kurzfilm 9 von Shane Acker aus 2005

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