Filmkritik

“American Pie: Das Klassentreffen” von Jon Hurwitz & Hayden Schlossberg

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© Universal - Thomas Ian Nicholas (Kevin), Jason Biggs (Jim), Seann William Scott (Stifler), Chris Klein (Oz) & Eddie Kaye Thomas (Finch) in 'American Pie - Das Klassentreffen'

Es gab in der Vergangenheit zahlreiche Versuche, den eigentlich dämlichen Humor der ‘American Pie’-Reihe zu kopieren. Als der Film 1999 unter der Regie der damaligen Debütanten Chris (‘New Moon’) und Paul Weitz (‘Meine Frau, unsere Kinder und ich’) entstand, wurde eine neuartige Form der Komödie geschaffen. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, folgten die Zuschauer den jugendlichen Eskapaden von Hauptfigur Jim Levenstein, die in dem Sexspiel mit einem Apfelkuchen auf dem Küchentisch gipfelten. Es war Humor weit unter der Gürtellinie, es waren sexistische Anspielungen und nackte Tatsachen, die ‘American Pie’ definierten. Dem Film folgte eine Welle von ähnlichen Produktionen wie ‘Eurotrip’, ‘Road Trip’ oder ‘Party Animals’ – allesamt wenig erfolgreiche Kopien des Originals. Denn ihnen fehlte, was ‘American Pie’ seinem Zielpublikum bieten konnte: die Auseinandersetzung – wenn auch oftmals überzogen dargestellt – mit Alltagsproblemen der damaligen, aber auch noch heutigen Jugend: Erste Liebe, erster Sex, die erste Beziehung oder Trennungsschmerz. Über die Jahre und Filme hinweg wurden weitere Jugendproblematiken hinzugefügt: So stand in ‘American Pie: Jetzt wird geheiratet’ das Erwachsenwerden im Mittelpunkt und in der neuesten Episode, die mit ‘American Pie: Das Klassentreffen’ nun dreizehn Jahre nach dem ersten Teil entstand, ist es das Leben an sich, welches die Hauptprotagonisten plagt.

Stifler (Seann William Scott) immer noch in Partylaune

Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg (‘Harold & Kumar 2: Flucht aus Guantanamo’) haben hierfür das Regiezepter übernommen, während Chris Weitz auf den Produktionsposten abgestellt wurde. Sie inszenieren das Leben der East Great Falls High-Absolventen viele Jahre nach ihrem Abschluss. Jim (Jason Biggs) und Michelle (Alyson Hannigan) sind noch verheiratet, aber ihr Sexleben läuft schon lange nicht mehr so, wie einst. Außerdem macht die attraktive Nachbarin Jim die Sache mit der Treue nicht gerade leicht. Kevin (Thomas Ian Nicholas) und Vicky (Tara Reid) haben sich getrennt, aus Oz (Chris Klein) ist ein richtiger Star geworden, Heather (Mena Suvari) ist mit einem Chirurgen in der Midlife-Crisis zusammen und Finch (Eddie Kaye Thomas) ist ein internationaler Jet-Setter und Lebemann. Nur Stifler (Seann William Scott) scheint sich nicht verändert zu haben und versucht noch immer an den alten, wilden Zeiten festzuhalten. Viele Jahre haben sich die Freunde nicht gesehen. Jeder von ihnen ist mir seinem eigenem Leben genug beschäftigt. Aber das Wochenende, an dem das große Klassentreffen stattfinden soll, wird für alle ein Trip in die Vergangenheit, bei dem sie ihre Zukunft akzeptieren müssen.

Und sie nehmen die Zuschauer mit in die Vergangenheit, denn nichts hat sich in all den Jahren verändert. Der Humor ist derselbe geblieben, die Schauspieler nehmen ohne Ausnahmen wieder ihre stereotypen Rollenmuster an, die zusammen in einen Film gewürfelt für eine angenehme Bespaßung sorgen. Dabei schafft auch ‘American Pie: Das Klassentreffen’, wie seine Vorgänger, den schmalen Grat zwischen banalem Witz und tiefgründiger Moral zu ignorieren und dennoch zu überzeugen. Es ist nun einmal die Filmreihe, die alles gestartet hat. Wie könnte man diesem Film nun also böse sein, wenn er auf Fäkalhumor und Sexismus setzt, wenn es doch genau diese Komponenten sind, die ‘American Pie’ schon immer gekonnt einzusetzen wusste. Während die meisten Zuschauer bei jedem anderen Film nur augenrollend das Weite suchen würden, werden hier amüsante Episoden geboten, in denen Stifler eine Kühlbox als Toilette missbraucht oder Jim verzweifelt versucht ein nacktes Mädchen zu verstecken, was in einer Blow Job-Szene endet.

Inzwischen Ehefrau und Mutter Michelle (Alyson Hannigan)

Sorgsam ignoriert das Regisseur-Duo dabei die vielen ‘American Pie’-Filme, die ihren Weg nur auf DVD an die Öffentlichkeit geschafft haben, um mit der Stammbesetzung für eine Atmosphäre zu sorgen, bei denen die „Alten“ in Erinnerungen schwelgen und auf eine Generation von Jugendlichen treffen, mit denen sie nicht mehr viel gemein haben. Da verkommen die Spice Girls auf einmal zum Oldie-Rock und ein Ablenkungsversuch Stiflers scheitert in dem Moment, als er an einem Haus klingelt um einen Abschleppdienst zu rufen, wo man heutzutage doch eigentlich ein Handy in der Hosentasche haben sollte. Während sich mit Ali Cobrin (‘The Hole’) und Dania Ramirez (‘Heroes’) so etwas wie eine neue Generation präsentiert, bleiben aber auch in diesem Teil Jason Biggs, Seann William Scott und Eugene Levy als Jim’s Dad die Hauptfiguren, denen der Zuschauer am ehesten folgen wird. Die übrigen Darsteller nehmen einen kleineren Platz in dieser Fortsetzung ein. Als eine Ausnahme ist eventuell noch Chris Klein als Oz anzusehen, der nach seinem Fehlen in ‘American Pie: Jetzt wird geheiratet’ doch noch ein wenig mehr Leinwandzeit zugesprochen bekommt als Thomas Ian Nichols und Eddie Kaye Thomas. Als lokaler Sportmoderator im Fernsehen schlägt sich Chris „Oz“ Ostreicher mit einer Freundin herum (Katrina Bowden aus ’30 Rock’), die nichts als Partys, Sex und Drogen im Kopf hat, während er sich bei Celebrity Tanzshows der Lächerlichkeit preisgibt.

Es ist schön zu sehen, dass der offiziell vierte Teil nicht mit Wiederholungen, sondern mit neuen Ideen aufwarten kann, auch wenn die Witze in dieselbe Richtung abzielen. Eheschwierigkeiten, Probleme im Job, der Mann am Herd, ein langweiliges Leben oder die Verweigerung des Erwachsenwerdens sind Probleme, die hier einmal mehr durch eine große Party im Keim erstickt werden. Gastauftritte von ehemaligen ‘American Pie’-Nebendarstellern garnieren das Klassentreffen mit kleinen Zusatzepisoden, die den Kreis nun endgültigen schließen. Standen im dritten Teil nur wenige der Darsteller zur Verfügung, hat man sich hier bemüht bis auf das letzte Gesicht noch einmal alle zu versammeln: die Austauschschülerin Nadia, der Sherminator oder die inzwischen mit einer Frau lebende Jessica – alle tragen dazu bei, dass ‘American Pie: Das Klassentreffen’ eine gelungene Reunion geworden ist.

Denis Sasse

‘American Pie: Das Klassentreffen‘

Originaltitel: American Reunion
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2011
Länge: ca. 113 Minuten
Regie: Jon Hurwitz & Hayden Schlossberg
Darsteller: Jason Biggs, Alyson Hannigan, Chris Klein, Thomas Ian Nicholas, Tara Reid, Seann William Scott, Mena Suvari, Eddie Kaye Thomas, John Cho, Jennifer Coolidge, Eugene Levy, Natasha Lyonne, Katrina Bowden, Jay Harrington, Shannon Elizabeth, Chris Owen, Dania Ramirez, Ali Cobrin

Deutschlandstart: 26. April 2012
Offizielle Homepage: www.americanreunion.com

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